Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Begräbnis und Hochzeit
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 419 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Begräbnis und Hochzeit am andern Morgen* von den Segenswünschen der Zurücldbleibenden begleitet, von dannen: ,jO Schwester! werde zu Tausenden einer Myriade, und deine Nachkommenschaft nehme das Tor ihrer Feinde ein!" Da dies eine wörtliche Wiederholung aus dem letzten göttlichen Segen über Abraham ist, so muß der Knecht von dieser Verheißung und der göttlichen Berufung Isaaks somit auch der Bestimmung seines Weibes erzahlt haben, ein Beispiel, wie man die knappen Striche biblischer Erzählungen zu ergänzen hat Seelenvoll und anmutig ist schließlich auch die Begegnung der beiden Versprochenen. Es war gegen Abend und Isaak war in die Felder gegangen, sehnsuchtsvoll und von mancherlei Gedanken bewegt Trauert er doch noch immer um die Mutter. Wird die Fremde ihr gleichen? Da sieht er die Kamele ankommen. Aber auch Rebekka hat den Entgegenkommenden gesehen, da neigt sie sich tief auf das Kamel hinab, und als der Knecht bestätigt, wer der Mann ist, nimmt sie den Schleier und bedeckt sich. Sie will ihr Erröten verbergen, die „züchtigen verschämten Wangen". Hiervon schreibt sich das noch heute bei den Juden unmittelbar vor der Trauung stattfindende „Bedecken" der Braut mit dem Schleier, wobei eben jener Segenswunsch über sie gesprochen wird. Während also die Begegnung mit dem Knecht Rebekkas liebreiche und tätige Art ins Licht stellt, zeigt dieses Zusammentreffen ihr züchtiges Wesen. Nachdem der Knecht dem Isaak Bericht erstattet hatte, „führt Isaak sie in das Zelt seiner Mutter Sara — und er nahm Rebekka — und sie ward sein Weib — und er liebte sie — und Isaak tröstete sich nach seiner Mutter". Wie natürlich und wahrhaft ist diese Reihenfolge; im Roman würde sie umgekehrt lauten. So war denn auch das Weib dieses Patriarchen aus der Verwandtschaft Abrahams. Das war seine Sorge gewesen und darum hatte er den Knecht beschworen: „daß du für meinen Sohn, für Isaak kein Weib von den Töchtern der Kanaaniter nimmst, in deren Mitte ich wohne!" Alle drei Kapitel wenden sich also gegen heidnische Gefahren: das Kindesopfer, den Totenkult, die Mischehe mit Kanaan. Wir würden ein Unrecht begehen, wenn wir nicht auch noch ein Wort für den Knecht hätten. Er ist die schönste Erläuterung des Sprichwortes: Wie der Herr 60 der Knecht Er hat das unbeschränkte Vertrauen seines Herrn und verdient es. Abraham spricht mit ihm wie mit einem Freund, dem er die zarteste Angelegenheit, ja die Zukunft seines Hauses anvertrauen darf. Er ist kein stummer Diener ohne eigene Meinung, sondern bespricht mit seinem Herrn erst alle Möglichkeiten. Er ist treu, redlich, seiner Verantwortung bewußt, 27* 419