Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Begräbnis und Hochzeit
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 418 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob erleben lassen. Es verhält sich also nicht so, daß der Verfasser uns den Vorgang unnötig zweimal erzählt, sondern jetzt sind wir es, die ihn mit dem Knecht den Zuhörern erzählen. Gerade die Wiederholung schafft die Spannung, weil es jetzt andere sind, die zuhören und wir begierig sind, was sie, von denen das Endurteil abhängt, dazu sagen werden, ebenso wie später bei den Träumen Josephs. So betrachten wir also gespannt die Gesichter der andern, während der Knecht erzählt Und als er zu Ende ist, da brechen die Männer; der Bruder Laban und der Vater, in den Ruf aus: Von Gott ist die Sache ausgegangen! Wir haben dir nichts mehr zu sagen. Hier ist Rebekka, nimm sie und geh, daß sie das Weib des Sohnes deines Herrn werde, wie Gott gesprochen hat! Dies ist das Kernwort der ganzen Erzählung. Damit sie dies aussprechen, hat der Knecht das Erlebnis nicht bloß wiederholt, sondern es von vornherein veranlaßt Er erwartete, zu Leuten zu kommen, bei denen er gewonnen hatte, wenn er ihnen die Überzeugung beizubringen wußte, daß Gott gesprochen und entschieden habe, denn wie werden sie eine Ehe hindern wollen, die im Himmel geschlossen ist! Das aber hat der Knecht von seinem Herrn gelernt Denn wenn ihn Abraham feierlich hatte schwören lassen, daß er für Isaak kein Weib von den Töchtern der Kanaaniter nehme, sondern hierzu nach seiner Heimat und Verwandtschaft gehe, so war der Grund nicht, wie man immer erklärt, weil er sein Ende nahen fühlte. Für eine so wichtige und Zeit fordernde Angelegenheit hätte er längst Sorge tragen müssen, bevor er im Sterben lag, abgesehen davon, daß er noch recht lange lebt Vielmehr ist der Zweck der Beschwörung der, daß der Knecht sich nachher vor den Verwandten darauf berufen könne, um seiner Werbung Nachdruck und Feierlichkeit zu verleihen. Ganz ebenso läßt Jakob den Joseph schwören: „Begrabe mich nicht in Ägypten", nicht etwa weil er seinem Lieblingssohn mißtraute, sondern damit dieser nachher zu Pharao sagen kann: „Mein Vater hat mir einen Eid abgenommen", so daß der gottesfürchtige König nicht umhin kann, ihm den erbetenen Urlaub zu gewähren. Und als der Knecht Zweifel geäußert hatte, war ihm von Abraham versichert worden: der Allmächtige, der mich bisher geleitet, er wird seinen Engel vor dir hersenden, daß. du von dort meinem Sohne ein Weib nimmst Von diesem Engel hören wir aber nichts mehr. Er ist eben nichts anderes als die glückliche recht verstandene Fügung durch Gott So wird denn fröhlich die Versprechung gefeiert, und nachdem Rebekka sich einverstanden erklärt hat, gleich mit dem Manne zu gehen, ziehen sie 418