Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Begräbnis und Hochzeit
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 417 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Begräbnis und Hochzeit die Probe, indem sie nicht bloß ihm willfährt, sondern dem würdigen Alten antwortet: Trinke, mein Herrl Aber vielleicht ist das nur eine angelernte Form? Darum soll sich die Freudigkeit tatiger und unverlangter Dienstwilligkeit weiter darin zeigen, daß sie als echt weibliche Helferin fragt, ob sie nicht noch mehr tun könne und sich selbst nach Gelegenheit dazu umsieht Und was könnte sich dazu natürlicher darbieten als die Kamele, die durstig daneben stehen? Und siehe, alles verlauft, wie er sich's gedacht Nachdem der Mann getrunken, spricht sie: aber auch für deine Kamele will ich schöpfen, bis sie genug haben. Hurtig entleert sie den Krug, nicht etwa — auch dies ein kleiner bezeichnender Zug — auf die Erde, sondern in den Trog und steigt wieder und wieder zum Bronnen hinab, bis alle Kamele genug haben, keine kleine Arbeit, denn ein Kamel kann viel vertragen. Mit innigem Wohlgefallen haben auch wir der ebenso anmutigen wie gütigen und umsichtigen Maid zugeschaut Der Knecht aber ist beglückt Das ist die rechte Frau für Isaak, Schwiegertochter für Abraham und Nachfolgerin Saras. Sie wird eine edle Gefährtin und tüchtige Hausfrau sein, die selbst das durstende Her nicht vergessen wird, und wie wird sie den Herrn respektieren, wenn sie solchermaßen schon den Knecht ehrt Wir haben vorhin die heidnische Zeichendeutung bekämpft Trotzdem braucht man eine gewisse Verwandtschaft nicht abzustreiten. Der Wunsch, vom „Schicksal" einen Wink über das Gelingen eines Unternehmens zu erhalten, ist vielleicht in keiner Lage menschlich begreiflicher als bei diesem für den Mann so folgenschweren und doch so ungewissen Schritt der Wahl einer Lebensgefährtin. Zufällig haben wir ein Zeugnis, daß man auch auf dem Boden Palästinas bei diesem Gange auf zufällige Zeichen achtete und wir dürfen solchen Aberglauben für uralt halten. Aber wie ist er hier in das Sittliche und wahrhaft Religiöse übersetzt! Wir würden solche Umwandlung noch viel öfter feststellen können, wenn wir über den einheimischen Volksglauben genauer unterrichtet wären. Und doch ist diese wundervolle Szene selbst noch nicht das Wichtigste. Gastlich eingeladen gibt sich der Mann zu erkennen und richtet nun den Auftrag seines Herrn aus, wobei er den Vorgang am Brunnen berichtet Seine Worte sind mit großer Klugheit gesetzt und alle Abweichungen in der Wahl der Worte wohlbedacht Alles kommt darauf an, welchen Eindruck der Vorgang auf die Eltern machen wird, denn sie haben die Entscheidung zu treffen. . Also muß der Vorfall ihnen so eindrucksvoll wie möglich erzählt werden, und wir teilen die Spannung, nachdem der Verfasser ihn uns mit dem Knecht hat 27 417