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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 416

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Begräbnis und Hochzeit
Date
1927-10-01
Page
416 (sequence 6)
Language
German
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B. Jacob dürfen wir uns der Frage nicht entziehen, ob denn das Gebet des Knechtes um ein Vorzeichen nicht heidnische Art sei, die die Thora als entschiedendste Feindin alles Aberglaubens sonst streng verpönt Indessen sieht man bald, daß dieses Zeichen nicht mit den Praktiken der Wahrsagerei zu vergleichen ist Das Wesen dieser ist, daß sie Dinge miteinander in Verbindung bringen, die keinen ursächlichen oder inneren Zusammenhang haben. Man weiß, wie verbreitet diese Künste noch bis auf den heutigen Tag sind. Sie machen einen Hauptteil des Aberglaubens aller Völker und Zeiten aus, von der „Wissenschaft" der Sterndeuterei bis zum Kartenlegen und dem Wahrsagen aus den Linien der Hand. Von solcher Art war z. B. die Eingeweideschau und die Beobachtung des Vogelfluges bei den alten Römern, deren Priester danach Gelingen oder Mißlingen einer Unternehmung vorhersagten. Ein ähnliches Zeichen wäre es gewesen, wenn der Knecht sich z. B. danach hätte richten wollen, von'welcher Farbe das Kleid oder Band des Mädchens sein werde. Aber er hat es von vornherein auf Rebekka abgesehen, nur an sie und nicht eine Beliebige wendet er sich, denn in ihr Haus war er gesandt worden. Darum war dem Abraham schon einige Kapitel vorher von ihr berichtet worden. Was der Knecht an ihr beobachten will, ist ein entscheidender Charakterzug, und sie soll ihn offenbaren, ohne daß sie weiß, zu welchem Ende sie geprüft wird. Der erfahrene Mann weiß, daß sich in solchen kleinen Zügen oft das Wesen des Menschen kundtut Darum hat er sich nicht geradeswegs zu der Familie begeben. Er soll Rebekka noch ein beliebiger Fremder bleiben. In dieser Hinsicht konnte das Zeichen nicht klüger ausgedacht sein. Und doch muß die Bitte eigentlich befremden. Der Mann, der da um einen Trunk bittet, ist kein „armer Schlucker", sondern ein ansehnlicher Herr, der mit zehn Kamelen und den dazu gehörigen Leuten reist, es ist nicht anzunehmen, daß er keinen Wasservorrat oder wenigstens Trinkgefäße bei sich führe und ist schon vorher am Brunnen eingetroffen. Er hätte also darauf gefaßt sein müssen, daß das Mädchen, das er anredet, ihm antwortet: bitte, bedienet Euch selbstI Oder mag es einer Eurer Leute tun. Ich bin nicht Eure Magd. Nun galt es aber — und aus späterer Zeit haben wir dafür zahlreiche Beispiele — als Respekterweisung, daß man älteren Personen, vor allen den Eltern kleine persönliche Dienste tat, und als der einfachste galt, daß man ihrer Aufforderung entsprach: hole mir doch einen Trunk Wasser! Es ist also die gute Erziehung, die der Knecht prüfen will, und zugleich eine artige Huldigung des alten Herrn an. das schöne Mädchen, daß er gerade von .ihr bedient sein möchte. Und das Mädchen besteht 416

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