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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 415

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Begräbnis und Hochzeit
Date
1927-10-01
Page
415 (sequence 5)
Language
German
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Begräbnis und Hochzeit Die Höhle Machpela zu Hebron mit den Grabern der Erzväter ist den muslimischen Eingeborenen noch heute eine heilige Statte, die mit Eifersucht bewacht wird. Die Fremden werden nur bis an den Eingang des Hofes der großen Ibrahim-Moschee geführt, unter dem die Höhle liegt Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen durften hochgestellte Fremde auf Grund eines speziellen Ferman weiter vordringen, so im neunzehnten Jahrhundert der Prinz von Wales und der Kronprinz von Preußen (Kaiser Friedrich). Durch sie ist festgestellt, daß die in Mauervertiefungen befindlichen Patriarchenschreine sogenannte Kenotaphe, d. h. leer sind. 12. Die Erzählung vom Grabkauf wird durch eine Tote, Gattin und Greisin beherrscht, in dieser letzten sehen wir im Vordergrunde die lebende Jugend in ihrer holdesten Gestalt, in der Gestalt einer liebreizenden Jungfrau und Braut Beide sind also Frauen gewidmet Die Erzählung (c. 2 4) spielt sich in vier Akten ab. Abraham sendet seinen Knecht und Hausverwalter in die Heimat der Verwandten nach Haran, damit er von dort ein Weib für Isaak hole. — Am Brunnen vor der Stadt, wo er am Abend, da die Mädchen zum Wasserschöpfen kommen, mit seinen Kamelen lagert, betet er zu dem Gotte seines Herrn um ein Zeichen, daß ihm die rechte begegne: ,,Das Mädchen, zu dem ich sprechen werde: «neige doch deinen Krug, daß ich trinke», und die sprechen wird: «trink und auch deine Kamele will ich tränken», sie sei es, die du für deinen Knecht Isaak bestimmt hast" Und siehe, diejenige die nach seinem Wunsche tut, ist Rebekka, die Tochter Bethuels, die Enkelin Nahors, des Bruders von Abraham, ein Mädchen gar schön von Ansehen. — In das Haus geladen bringt der Knecht seinen Antrag bei den Eltern des Mädchens vor, indem er wiedererzählt, wie es ihm am Brunnen ergangen sei. Die Familie willigt ein, und der Knecht teilt zur Feier Geschenke aus. — Darauf kehrt er mit Rebekka heim und führt sie Isaak als Braut zu, der sie in das Zelt seiner Mutter einführt Die Szene am Brunnen gehört zu den köstlichsten Bildern der biblischen Mappe, ihr Zauber muß sich jedem Leser unauslöschlich einprägen und hat den Malern immer wieder den Pinsel in die Hand gedrückt Hingegen hat man den Bericht des Knechtes, der nur wiederhole, was dem Leser bereits bekannt sei, für überflüssig oder zu ausführlich gehalten. Allein dann hat man den eigentlichen Sinn der Geschichte nicht begriffen. Zuvor aber müssen wir zu jener Szene zurückkehren, da auch ihr Sinn trotz des unmittelbaren Eindrucks noch nicht völlig erfaßt ist. Zunächst 415

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