Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 413

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Begräbnis und Hochzeit
Date
1927-10-01
Page
413 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895472-2898169--02203-2898263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Begräbnis und Hochzeit fühlen, daß sie in ihm einen Menschen höherer Art unter sich haben, der nicht wie andere einzureihen ist Er ist keiner der Ihrigen, aber er ist mehr als das, Bürger, nein: Fürst in einer höheren Welt und Ordnung. Seine Fremdartigkeit, die ihn auch noch im Grabe von ihnen absondert, erzeugt bei ihnen keine Abneigung, sondern Hochachtung und Ehrerbietung, denn sie spüren, daß es nicht Überhebung und Geringschätzung ist So sieht das Volk die große Persönlichkeit an, die es im Einzelnen nicht begreift, aber im Ganzen sehr wohl würdigt Sie sehen den Mann einem Unsichtbaren dienen und beugen sich vor einer nicht von Menschen, verliehenen Würde. Und wie großherzig ist ihr betontes: „in unserer Mitte". Du stehst für uns nicht draußen, du bist anders als wir, aber gerade darum sollst du ganz unser sein. Man darf auch nicht meinen, daß hier nur Höflichkeitsformen ausgetauscht werden, mit denen man sich gegenseitig Ergebenheit versichert Sie nennen ihn zwar bestandig „Herr", aber Abraham erwidert es trotz aller Verbeugungen nie, weder vor den Hettitern noch vor Pharao und Abimelech, den Königen. Er ist allein seines Gottes Knecht und als solcher ein Freiherr, wenn auch ohne Halm und Ar. Hingegen wird Ephron, der unter den Anwesenden sitzt, nicht ohne Schalkhaftigkeit abgemalt Gern will er dem verehrten Manne das gewünschte Feld überlassen, aber wer wird unter Kavalieren von Geld reden! Er schenkt es ihm: begrabe nur deine Tote! Das aber kann Abraham, der zudem wohl weiß, wie es gemeint ist, nicht annehmen. Es ist ja peinlich, von so gemeinen Dingen zu reden, aber — er möchte es doch bezahlen. Jetzt ist der entscheidende Augenblick in dem Duell, dem die andern mit Spannung beigewohnt haben werden, gekommen. Welchen Preis wird Ephron nennen, denn daran kann er nicht mehr vorbei, wie wird er sich ausdrücken, was wird Abraham dazu sagen? Aber Ephron steht auf der Höhe der Situation. Er sagt nicht plump: es kostet so und so viel, sondern leichthin und kavaliermäßig: „Ein Stück Land von 4oo Sekel Silber — was ist das zwischen mir und dir? Begrabe deine Tote." Der Preis ist ungeheuer, und nicht ohne Herzklopfen wird Ephron ihn ausgesprochen haben. Aber ohne ein Wort zu sagen — hier „feilscht" er nicht — wägt Abraham die Summe ihm zu, und wir meinen zu sehen, wie Ephron zusammenschrumpfend und vorgebeugt gierigen Auges verfolgt, ob auch jedes Stück vollwichtig ist Witzig hat die Masora darum seinen Namen hier kleiner geschrieben. So ungefähr geht es bei Kauf und Verkauf im Orient noch heute zu. In Damaskus sagt man, wenn der Käufer ein unannehmbar niedriges Angebot 413

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.