Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Begräbnis und Hochzeit
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 412 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Rechtens von dem Hettiter Ephron ein Stück Feld mit einer Grabhöhle zum Erbbegräbnis, -woselbst er dann Sara beisetzt Von einem Grabstein mit rühmender Inschrift wird nichts gemeldet. Er wäre auch seitdem längst verfallen. Dieses Kapitel ist das bleibendste und schönste Denkmal für beide. Es ist scheinbar eine nüchterne Angelegenheit, ein Geschäft, ein Kaufvertrag. Von Gott, religiösen Gedanken oder gefühlvollen Äußerungen kein Wort Aber die Behauptung, daß das Kapitel deswegen von einem anderen, poesielosen Verfasser, einem pedantischen Juristen, verfaßt sein müsse, würde von wenig Seelenkunde zeugen. Das Handeln ist das redendste Zeugnis des Gefühls, und in der peinlichen Sorgfalt eines prosaischen Tuns kann mehr Empfindung liegen, als in den schönsten Worten. Dies ist die Poesie der spröden, aber oft tief empfindenden Naturen. Abraham war mit den Herren von Hebron: Mamre, Eschkol und Aner eng befreundet Dennoch verläßt er sich nicht auf freundschaftliche Zusagen, sondern macht einen genau stipulierten, öffentlich beglaubigten, unanfechtbaren Besitzvertrag: „So erstand Abraham vor den Hettitern als Zeugen, d. h. vor allen die zum Torplatz der Stadt eingingen, kauflich das Feld Ephrons, welches in der Machpela, welche vor Mamre; das Feld und die Höhle, welche darin ist, und alle Bäume, welche auf dem Felde, welche auf dem ganzen Grundstück sind." Das ist kein kleinliches Mißtrauen. Geschäfte als Geschäfte behandeln entzieht dies Gebiet Konflikten, die unter Freunden doppelt gefährlich wären und macht, ein für alle Male ausgeschieden und in der Obhut des Rechtes verwahrt, die Freundschaft gerade erst frei und unbefangen. Das Kapitel (2 3) besteht naturgemäß fast nur aus Wechselreden, ist aber ein wahres Kabinettstück in der Zeichnung der Menschen, voll Lebendigkeit und Feinheit, selbst nicht ohne leisen Humor, ein Musterbeispiel orientalischer Höflichkeit und Klugheit, Zuvorkommenheit und Würde. Abraham beginnt seine Bitte, ihm ein Erbbegräbnis für seine Tote zu überlassen, mit der Feststellung: „Ein Fremdling und Beisaß bin ich bei euch." Er weiß und gesteht es offen, daß er kein Recht am Grund und Boden hat und auf ihren guten Willen angewiesen ist Dem können die Hettiter nicht widersprechen, aber sie geben ihm eine für beide Teile um so ehrenvollere Antwort, indem sie ihn anreden: „Höre uns an, mein Herr, ein Gottesfürst bist du in unserer Mitte." Ein gehaltvolles Wort, das sie unter dem Eindruck seiner Erscheinung offenbar eigens für ihn prägen, denn nie wird sonst ein Mensch damit bezeichnet Die Hettiter hatten schwerlich einen richtigen Begriff von Abrahams Religion, aber sie 4t2