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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
384 (sequence 30)
Language
German
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A. Singalowsky tum. Oder aber gegen den Antisemitismus. Wir ziehen das letztere vor und glauben, daß uns dies Hand in Hand mit dem jüdischen Bauern eher gelingen wird. Wir glauben, man sollte überhaupt weniger an die Antisemiten und mehr an die Juden denken. Wir fördern den jüdischen Aufbau in dem Bewußtsein, daß er eine Hilfe für die Juden und einen Gewinn für die gesamte Kttlturwelt bedeutet Aus Furcht und Oberflächlichkeit entsteht auch die weitere Frage: 5. Wird nicht bei einer politischen Umwälzung eine Pogromwelle alles, was jetzt geschaffen wird, vernichten? Es ist hier nicht der Platz, den Wahrscheinlichkeitsgrad einer gewaltsamen Umwälzung in Rußland zu untersuchen. Unter den heutigen Umständen sind Pogrome, die stets von oben organisiert wurden, in Rußland nicht möglich. Was aber die Zukunft betrifft, so drängt sich die Frage auf, weshalb die an sich noch wenig begründete Pogromprognose annimmt, daß sich Pogrome ausschließlich gegen jüdische Kolonien richten und die jüdischen Städte und Städtchen verschonen werden. Den Juden, die bei jedem jüdischen Beginnen nur Pogrom-Perspektiven sehen, bleibt wahrhaftig nur eines übrig: in Leichengewändern den Todesengel zu erwarten. Auf jeden Fall steht fest, daß jeder Überfall auf die zusammenhängenden jüdischen Kolonien auf einen hartnäckigen Widerstand der jüdischen Landbevölkerung stoßen würde. Der Pogromist ist kein Kämpfer. Nur dem Schutzlosen gegenüber hat er Mut. Das Leben aufs Spiel setzen ist nicht sein Handwerk, sein Ansporn ist leichte Beute. Ein Überfall auf die Kolonien jedoch wäre kein Pogrom mehr, sondern ein Kampf. Welches Volk jedoch wird aus Angst vor dem Kampf auf sein Lebensrecht verzichten?! Zum Schluß noch die letzte Frage, die ich häufig zu hören bekam: 7. Ist die Kolonisation in Rußland nicht etwa ein Konkurrenzunternehmen zum Zionismus? Meiner Meinung nach keinesfalls! Das russische Siedlungswerk kann schon darum nicht als Konkurrenz zu Palästina betrachtet werden, weil ihm das Moment der nationalistischen Tradition fehlt, das politische Zion-Ideal. Palästina hingegen kann nicht konkurrieren mit der russischen Kolonisation als einem Mittel, die Not der jüdischen Masser. zu beheben, der jüdischen Massen, die die Binnenwanderung als einen Weg zur Gesundung ihrer Existenz betrachten. Im übrigen, sehe ich nicht den Grund, weshalb jüdische Kolonisation 384

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