Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 382 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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A. Singalowsky Wagschale einen Gegenstand, der etwas mehr wiegt als der Stein auf der anderen Wagschale, dann fliegt unser Stein nach oben... Die Not des osteuropäischen Judentums ist sehr groß und für einen bedeutenden Teil ist der Weg aufs Land, der Weg des kleinsten Widerstandes. 3. Bedeutet nicht die Förderung der jüdischen Kolonisation in Rußland eine Vorschubleistung gegenüber den Bolschewiki? Warum spricht man gerade von der Förderung der Kolonisation? Gilt nicht das selbe Bedenken für die Förderung der jüdischen industriellen und handwerklichen Arbeit, und warum dann nicht die letzte Konsequenz ziehen und aus demselben Grund jegliche Form der Hilfeleistung an die russischen Juden für bedenklich erklären? Und in der Tat, wer ein „absolut reines Gewissen" haben will, muß sich selbst davor hüten, die Hand anzulegen zur Bekämpfung der physischen Krankheiten der jüdischen Armut in den russischen Städtchen. Mag die Sowjetregierung eben rachitische Bürger haben, wie sie es ehrlich verdient hat! . . . — Die jüdische Kolonisation ist aber ein Teil des staatlichen Aufbauprogramms I — Wurde denn die Kolonisation des XIX. Jahrhunderts, von irgendwelchen jüdischen Politikern in Rußland oder im Auslande verfehmt, weil sie ein staatliches Unernehmen der zaristischen Regierung war? Der verarmte russische Jude will den Aufbau, weil er leben will. Ich kenne russische Emigranten, die Grund genug haben, verärgert zu sein. Wird einer von ihnen die Millionen russischer Bauern des Verrates beschuldigen, weil sie leben und aufbauen und nicht geneigt sind, unterzugehen, auf daß sich die Prophezeiung jenes monarchistischen Philosophen bewahrheite, der es vorausgesagt hat, daß die bolschewistischen Bazillen aufhören werden zu wachsen und in dem Moment eingehen müssen, in dem sie den Körper, in dem sie sitzen, völlig aufgefressen haben werden? 4. Erweckt die Kolonisation nicht neuen Antisemitismus? Ich möchte vor allem feststellen, daß von allen Behauptungen, die von einer gewissen Seite mit sichtlich bösartiger Tendenz verbreitet werden, die plumpeste die ist, der jüdische Kolonist nehme dem russischen Bauern sein Land weg. Bekanntlich harren im großen Rußland noch viele Millionen Deßjatinen Boden der Nutzbarmachung durch menschliche Arbeitskraft Nicht eine einzige Deßjatine Land befindet sich im jüdischen Besitz, auf die die nichtjüdischen Nachbarn irgendwelche Ansprüche geltend machen könnten. 382