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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
381 (sequence 27)
Language
German
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Aufbau und Umbau dem Hinweis auf den städtischen Charakter der jüdischen Bevölkerung begründet. In Bezug auf Rußland ist darauf zu erwidern: 90o/o der jüdischen Siedler kommen aus der Kleinstadt Das Verhältnis zwischen dieser Kleinstadt und einem Dorfe darf man sich keinesfalls etwa so vorstellen, wie das Verhältnis zwischen einer westeuropäischen Stadt und einem Dorfe. Viele Elemente der Landwirtschaft, wie des Landlebens überhaupt, waren auch früher dem Kleinstadtjuden nicht fremd. Fast an jedem jüdischen Hause befand sich ein Gemüsegarten und fast jede jüdische Hausfrau besaß eine Kuh oder eine Ziege, auf jeden Fall Hühner. Und alle diese Kühe und Ziegen, die so charakteristisch für die jüdische Kleinstadt waren, wurden von jüdischen Frauen versehen. Wer jedoch die notwendigen Kenntnisse von Hause nicht mitbringt, kann sie unter den heutigen Verhältnissen sehr schnell erwerben; besondere Fähigkeiten oder angeborenes Talent für Landwirtschaft sind nicjht erforderlich. Handelt es sich im Grunde genommen doch um nichts weiter als um die Aneignung von solchen Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten, die in der Hauptsache Interesse, Fleiß und Ausdauer erfordern. Jetzt, wo in den jüdischen Kolonien die schwersten Arbeiten mit Hilfe von modernen Maschinen verrichtet werden, ist die Sache noch einfacher. Der jüdische Kolonist begreift schnell die Bedeutung der modernen Methoden in der Landwirtschaft Er befolgt sorgfältigst die Anweisungen des Agronomen, dessen Aufgabe durch die angeborene Achtung des Juden vor dem gelehrten Wort hier wesentlich erleichtert wird. Es ist auch zu beachten, daß bei dem heutigen geldwirtschaftlichen Charakter der Landwirtschaft dem jüdischen Kolonisten auch seine kaufmännischen Fähigkeiten zu gute kommen, was mir, während meiner Reise in den Kolonien, von allen Fachleuten bestätigt wurde. Bei der Untersuchung der Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg der jüdischen Kolonisation fällt auch stark ins Gewicht die besondere Emsigkeit des neuen Kolonisten, die zu seinem Ansehen bei den benachbarten nichtjüdischen Bauern stark beigetragen hat 2. Ist die Bewegung der Juden aufs Land überhaupt normal, wo wir doch jetzt allgemein ein anderes Gesetz beobachten können — den Zug zur Stadt? Darauf ist zu erwidern: diese Tendenz ist kein eisernes Gesetz, und bekanntlich bricht Not sogar Eisen. Wir kennen zum Beispiel das Gesetz, nach dem es natürlich ist, daß der Stein nach unten fällt Legt man aber auf eine 381

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