Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 378 (sequence 24)
- Language
- German
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A. Singalowsky der Lohnarbeiter arbeitslos und auf Unterstützung angewiesen ist). Von den anderen 5oo/0 sind ioo/0 größere Kaufleute, die sich dem „Nep"-Regime *) angepaßt haben, weitere ioo/o bilden die mittleren Handeltreibenden, die unter dem harten Druck der Steuern und Beschränkungen mühselig vegetieren und der Konkurrenz der Konsumgenossenschaften nicht gewachsen sind. Die übrigen 3oo/o sind erwerbslos und auf Hilfe angewiesen. Die Heranziehung der Juden zur Industrie, die von der Regierung gefördert wird, ist sicher eine Aufgabe, die die größte Beachtung verdient Der „ORT" kommt dieser Bestrebung entgegen durch Versorgung der jüdischen Handwerker mit Werkzeugen auf Kredit, durch Gründung von Fachkursen für Jugendliche und durch Unterstützung sonstiger Anstalten für . Berufsausbildung. Indessen erfährt dadurch der Drang jener kleinstadtflüchtigen und wirtschaftlich ausweglosen Massen zur Landwirtschaft keine Abschwächung. Teilregistrierungen jener Juden, die sich in den neuen Kolonisationsgebieten ansiedeln wollen, ergaben für 1925 die Zahl von 2 5 000 Familien und für 1926 — 3oooo Familien. Dabei ist zu beachten, daß die jüdische landwirtschaftliche Bewegung mit dem Entwicklungsgang der russischen Wirtschaft eng verbunden ist Die wirtschaftliche Entwicklung Rußlands bewegt sich nämlich viel schneller in der Richtung der Wiederherstellung der Agrarwirtschaft als in der des industriellen Wiederaufbaues. Was nun die jüdische Kolonisation anbetrifft, so ist es die Meinung aller Sachverständigen in Rußland, daß ihr wirtschaftlicher Erfolg sie schon heute zu einem wichtigen Faktor des allgemeinen landwirtschaftlichen Fortschritts in Rußland gemacht hat. Die Ernteergebnisse in den vom „ORT" unterstützten jüdischen Kolonien im Odessaer Rayon waren 1926 um 200/0 höher als in den nichtjüdischen Siedlungen. Ganz besonders zeichneten sich die Chersoner jüdischen Kolonisten aus, deren Getreide die höchste Preiskategorie erzielte. Ich hatte bei meiner Reise das Glück, zu beobachten, wie die Pionierarbeit der jüdischen Siedler — ehemalige Krämer und städtische Proletarier — die Steppen, die früher nur als Weideland für Schafe dienten, in blühende Stätten moderner landwirtschaftlicher Kultur verwandelte. Ein großer Teil der den jüdischen Kolonisten zugewiesenen Bodenfläche, namentlich in der l) „Nep", Abkürzung von Neue Ökonomische Politik. 378