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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
379 (sequence 25)
Language
German
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Aufbau und Umbau Krim, mußte erst bewässert werden. 70 artesische Brunnen wurden zu diesem Zweck von den Juden angelegt; sie kommen auch der nichtjüdischen Bevölkerung der Umgebung zugute-! In den Kleinstädten stieß ich fast überall auf Resignation und Nieder-1 geschlagenheit. In den Kolonien dagegen herrschte Zuversicht und Schaffensfreude. Die schwere Vergangenheit gerät hier allmählich in Vergessenheit Hier heilen viele offene und versteckte Wunden. Auffallend ist hier auch das Sicherheitsgefühl und das Selbstbewußtsein des Vollbürgers. Im Chersoner Rayon, wo sich heute das größte jüdische landwirtschaftliche Zentrum der Welt befindet — über 5o jüdische Kolonien mit einer Bodenfläche von über 100 000 Deß. dicht beieinanderliegend — verspürte ich den Atemhauch einer neuen, eigenen durch und durch jüdischen Lebensart. Eine große Anzahl von Kolonien im Odessaer, Chersoner und Kriworoger Rayon und in der Krim hat bereits eine hohe Stufe von Wohlstand erreicht Einige derselben seien hier erwähnt: Frühling, Freiland, Schalom-Aleichem, Judendorf, Erster Mai, Ratndorf, Nailebn, Najer Weg usw. In diesen Kolonien findet man bereits einen jüdischen Dorf rat und Institutionen wie die Kreditgenossenschaft, einen genossenschaftlichen Verkaufsladen, einen Klub, eine öffentliche Bibliothek, eine Schule, einen Minjan und einen Schochat In einigen der genannten Kolonien fand ich ein eigenes Postamt, eine öffentliche Fernsprechstelle und eine Radiostation. Der innere wirtschaf tliche Ausbau einer großen x\nzahl der jüdischen Siedlungen ist noch nicht vollendet, namentlich in Bezug auf die Entwicklung neuer intensiver Kulturen. Unterstützung von außen ist zum Teil noeb unentbehrlich. Während aber noch vor wenigen Jahren die neue jüdische Kolonisation Gegenstand von Fragen und Bedenken war, sind diese Zweifel sowohl nach der allgemeinen Überzeugung der staatlichen landwirtschaftlichen Instanzen, wie auch der jüdischen und nichtjüdischen Fachleute heute nicht mehr am Platze. Die Ergebnisse der jüdischen Siedlungstätigkeit in Rußland haben kein Beispiel in der Geschichte der jüdischen Kolonisation. Behält man aber das Ziel im Auge, im agrarischen Rußland einen jüdischen Bauernstand zu schaffen, der der jüdischen Einwohnerzahl entspricht, dann kann das bisher Erreichte nur als ein Beginn bezeichnet werden. 379

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