Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 377 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufbau und Umbau 270000 Deß. zugeteilt worden. (Der jüdische Landbesitz im heutigen Rußland umfaßt gegenwärtig mehr als 4oo Tausend Deß.) Im Verlauf der letzten zweiundeinhalb Jahre sind bereits zirka x2 000 Familien auf einer Fläche von über 220000 Deß. angesiedelt worden. 170 neue jüdische Kolonien sind entstanden. (Die genauen Zahlen für 1927 stehen noch aus.) Die Ergebnisse der Kolonisation für die Jahre 1925 und 1926 erforderten einen Aufwand von ca. zehn MilL Rubel. Von diesem Betrag brachten die Siedler ca. zwei Mill. Rubel selbst auf. Weitere 3i/2 Millionen sind staatliche Kredite, während der Rest von den jüdischen Organisationen — mit dem Agro-Joint an der Spitze — beigetragen wurde. Der Zuweisung des Bodens liegt der Plan zugrunde, auf möglichst zusammenhängenden Gebieten eine geschlossene Kolonisation durchzuführen. Wie ist es nun mit dem wirtschaftlichen Wert der neugegründeten Kolonien und mit der Entwicklungsmöglichkeit der Bewegung überhaupt bestellt? Bei meiner letzten Reise durch Rußland hatte ich die Möglichkeit, mit der hinter den toten Ziffern stehenden lebendigen Wirklichkeit in nähere Berührung zu kommen. I Ich war bemüht, den Triebkräften der jüdischen Binnenwanderung nachzuspüren. Als ich die Situation in den Kleinstädten beobachtete, erkannte ich klarer denn je die treibenden Kräfte dieser Bewegung. Überall, in den großen und besonders in den kleinen Städten sah ich drückende Armut In Weißrußland zum Beispiel, wo 3oo/o der jüdischen Bevölkerung offiziell als berufslos bezeichnet sind, lebt die große Mehrheit der jüdischen Stadtbevölkerung in tiefstem Elend. Nur ein kleiner Prozentsatz des Handelsstandes vermag dem enormen Steuerdruck und der Konkurrenz der Konsumgenossen-. Schäften standzuhalten. Die übrigen fristen ein Hungerdasein. Ihre gegenwärtige Position ist unhaltbar. In der Zukunft droht ihnen völliger Untergang. Die Lage der Handwerker hat sich in den letzten zweiundeinhalb Jahren dank den politischen Zugeständnissen und dem Wachstum der Handwerker-, Kredit- und Produktiv-Genossenschaften wesentlich gebessert Von den in Sowjetrußland lebenden drei Millionen Juden werden 36o 000 als Lohnarbeiter (darunter auch Dienstpersonal, in freien Berufen Tätige und allerlei Angestellte) und 200 000 als Handwerker gezählt Rechnet man die Familienangehörigen der genannten Kategorien und außerdem die 170 000 jüdische Bauern hinzu, so ergibt sich ein Prozentsatz von etwa 5o — in produktiven Arbeitsberufen (hierbei muß berücksichtigt werden, daß ein Teil 377