Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 367 (sequence 13)
- Language
- German
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Aufbau und Umbau 2. auf Berufsausbildung der jüdischen Jugend in Fachschulen und Lehrwerkstätten und auf Gründung von Fachbildungsanstalten zur technischen Vervollkommnung und Spezialisierung der selbständigen Handwerker; 3. auf Förderung des Übergangs zur Landwirtschaft durch Gewährung von Krediten zur Anschaffung von Saatgut, Inventar und Errichtung von notwendigen Gebäuden, und durch agronomische Beratung der Siedler. Den besonderen Verhältnissen in den einzelnen Ländern entsprechend, wird das Hauptgewicht auf das eine oder das andere der genannten drei Arbeits-- gebiete gelegt in Rumänien zum Beispiel und zwar in Bessarabien ward besondere Aufmerksamkeit der Landwirtschaft gewidmet Bereits vor dem Kriege gab es dort eine bedeutende jüdische Agrarbevölkerung, Tabak- und Weinbauern — vornehmlich in den zehn großen, zur Zeit Nikolaus I. entstandenen Kolonien. Trotz dem bald erfolgten Verbot, Land zu kaufen oder zu pachten, bildete sich hier allmählich eine bedeutende Schicht von jüdischen Pächtern heraus. Während der Agrarrevolution vom Jahre 1917 kam ein weiterer Teil der jüdischen Bevölkerung zu Grund und Boden, und später, als Bessarabien dem rumänischen Staat angegliedert wurde und die Regierung die faktisch erfolgte Agrarrevolution legalisierte, verteidigten die Juden entschlossen ihre Rechte* trotz der Tendenz der Behörden, den jüdischen Landbesitz möglichst zu schmälern. Auf diese Weise vergrößerte sich der Landbesitz der alten jüdischen Kolonien. Zirka 6000 Familien haben hier ungefähr 20 000 Hektar Boden im Besitz. Bedeutend ist die Zahl der jüdischen Landwirte, die über keinen eigenen Bodenbesitz verfügen. Der Umfang der jüdischen Landwirtschaft übersteigt den Umfang des jüdischen Landbesitzes beträchtlich. Die von den Juden hinzugepaclitete Anbaufläche ist mehr als doppelt so groß als die ihnen als Eigentum gehörende. In diesem Lande ist es, ungeachtet des starken Dranges der jüdischen Bevölkerung nach landwirtschaftlichen Beschäftigungen wegen der judenfeindlichen Politik der Regierung zu einer nennenswerten Kolonisationsbewegung nicht gekommen. Es entstand hier nur eine neue Kolonie. Hier, wo sowohl die klimatischen Verhältnisse als auch die Bodenbeschaffenheit außerordentlich günstig sind, kann die jüdische Landwirtschaft erfolgreich sein, vorausgesetzt, daß sie moderne technische Methoden anwendet Agronomische Unterweisungen, ausreichendes Inventar usw. sind die notwendigen Voraussetzungen dafür. 367