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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 363

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
363 (sequence 9)
Language
German
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Aufbau und Umbau tionen eingebüßt hatte. Der Handwerker hatte Arbeitsgerät und Arbeitsmöglichkeit verloren; anstelle des normalen Handels war das kranke Spekulantentum getreten; dem jüdischen Wirtschaftsleben war das Rückgrat gebrochen worden; die Zahl der wurzellosen Existenzen wuchs ins Ungeheure . . - Worin besteht nun die große Krise, von der die Juden sämtlicher osteuropäischer Länder in verschiedenen Stärkegraden betroffen sind? Bei der Analyse der gegenwärtigen Lage im östlichen Europa drängt sich uns die Tatsache auf, daß das gesamte osteuropäische Judentum vor allem unter dem allgemeinen Niedergange Osteuropas, unter den sozialen Umwälzungen, unter der wirtschaftlichen Entfremdung, die zwischen den anstelle der früheren Großstaaten entstandenen selbständigen Staatsgebilden eingetreten war, gelitten haben. In vielen Ländern wurde die Lage durch eine wüste judenfeindliche Politik noch bedeutend verschärft Bei einer genaueren Prüfung der Lage, in der sich die verschiedenen Bevölkerungsschichten befinden, können wir jetzt jedoch im Hinblick auf den Geschäftsmann, den Handwerker und den Arbeiter eine langsame Besserung wahrnehmen, die durch planmäßige wirtschaftliche Hilfe, wie Kredite und dergleichen noch bedeutend beschleunigt werden kann. Dies führt den aufmerksamen Beobachter zu der Schlußfolgerung, daß der Schwerpunkt des Problems nicht hierin zu suchen ist Der Schwerpunkt der Krise, die das Ostjudentum durchlebt, liegt vielmehr in dem Zusammenbruch all jener Massen, deren wirtschaftliche Existenz bisher mit Gelegenheitsbeschäftigungen zusammenhing, und leider noch heute zusammenhängt, z. B. mit jener Form des Kleinhandels dessen nahe Vergangenheit traurig war, dessen Gegenwart. jämmerlich ist und dessen Zukunft der Untergang darstellt Die Bedingungen, unter denen Millionen wirtschaftlich entwurzelter Juden, Luftmenschen von heute oder von morgen, in ukrainischen, weißrussischen, polnischen und litauischen Städtchen mit dem Tode ringen, sind keineswegs einheitlich. Das harte Urteil des sie überall umgebenden Wirtschaftsmilieus lautet jedoch einheitlich: „überflüssig I" Es ist eine Tatsache: die Länder des östlichen Europas können den jüdischen Kleinhandel in seinem jetzigen Ausmaße nicht länger ertragen. Es sind allgemeine Ursachen, die über das wirtschaftliche Schicksal der Juden in den östlichen Ländern entscheiden, unabhängig von der Regierungsform dieser Länder. Der Kleinhandel wird dem Ansturm der Ereignisse nicht standhalten können. Die allgemeine Tendenz der Wirtschaftsentwicklung geht dahin, den Weg vom Produzenten zum Konsumenten zu verkürzen, die große 363 i

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