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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 362

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
362 (sequence 8)
Language
German
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A. Singalowsky In diesem Zusammenhang sei bemerkt, daß in jenen Zeitpunkt die Entstehung der Gesellschaft „ORT" fällt Die jüdische Intelligenz stellte sich in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts die Aufgabe, das Streben des Volkes sich den Anforderungen der neuen Zeit anzupassen, mit aller Kraft zu unterstützen. „Zivilisation und Arbeit", predigten die Maskilim, die Aufgeklärten jener Zeit, die Träger des jüdischen Humanismus, die die Liquidierung des Mittelalters in den jüdischen Ghettos verkündeten. Von ihren Gedankengängen und Bestrebungen war die Anregung ausgegangen, eine jüdische Organisation ins Leben zu rufen zur planmäßigen Förderung der Berufsumschichtung. Diese Organisation wird erst in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Petersburg legalisiert, wo sie als „Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden" unter dem abgekürzten Namen „Ort" bekannt wurde. In den letzten 5o Jahren der Vorkriegszeit bewegte sich die wirtschaftliche Entwicklung des osteuropäischen Judentums trotz außerordentlich schweren Bedingungen im raschen Tempo in der Richtung vom Kleinhandel zur Arbeit Diese Entwicklung war 1914 so weit vorgeschritten, daß über 5oo/o der jüdischen Bevölkerung bereits von werktätiger Arbeit lebte, was den Beginn einer neuen Periode in der Geschichte des osteuropäischen Judentums bedeutete. Jedoch die großen, über das osteuropäische Judentum während des Krieges hereinbrechenden Katastrophen in Verbindung mit den Revolutionen der Nachkriegszeit schleudern die Juden aus den bereits vor dem Kriege er-i rungenen Positionen weit zurück. HL Die Jahre nach 1914 haben das gesamte osteuropäische Judentum von Grund auf erschüttert und tiefgreifende Änderungen in die wirtschaftliche Struktur der Judenheit hineingetragen. Der Weltkrieg traf die jüdische Bevölkerung in Polen, in den Ostseeprovinzen, in Weißrußland und in der Ukraine unmittelbar. 4ooooo Juden (80 000 Familien) wurden aus ihren Wohnorten vertrieben. Es folgten aufeinander Bürgerkrieg, Epidemien und die Pogrom welle der Jahre 1918 bis 1920 wodurch besonders die ukrainischen Juden blutig getroffen wurden . . , Später, während der Nachkriegszeit, als die blutigen Katastrophen aufhörten, zeigte es sich, daß der Jude seine wichtigsten wirtschaftlichen Posi- 362

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