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Der Morgen · 1927-10-01 · Heft 4 (Oktober 1927) · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Oktober 1927)
Article
Aufbau und Umbau
Date
1927-10-01
Page
361 (sequence 7)
Language
German
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Aufbau und Umbau gestaltung, für die im damaligen Rußland zwar genügend Raum vorhanden gewesen wäre, aber die Regierungspolitik verhinderte sie. In den Einwanderungsländern, vor allem in den Vereinigten Staaten, bildeten die jüdischen Einwanderer große Arbeitszentren. Über 700/0 der Eingewanderten waren werktätig. Die Emigration hat indessen ihre bestimmten Grenzen. Die Erfahrungen vieler Jahrzehnte haben die Unrichtigkeit und Oberflächlichkeit der Behauptung erbracht, daß die Auswanderung eine Lösung der Judenfrage mit sich bringen könne. Natürlich vermag die Emigration zeitweilig eine gewisse Linderung zu bewirken, keinesfalls aber kann sie eine Lösung des Problems und sei es bloß zu einem Teile, bedeuten. Ungeachtet des Massencharakters — ja der bisweilen zur Massenflucht gesteigerten Auswanderung, konnte diese nicht einmal den natürlichen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung absorbieren! Die Millionenmassen verblieben schließlich doch in ihren alten Wohnorten und mußten dort die Lösung des Grundproblems suchen, vor das sie sich gestellt sahen. Es beginnt notgedrungen die Abwanderung nach den immer mehr wachsenden Großstädten, wo die Volksmassen sich gezwungen sehen, zu werktätiger Arbeit zu greifen. Die Zunahme großer jüdischer Gemeinden ist in allen Ländern, ebenso wie in Rußland eine Erscheinung der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Vor 80 Jahren konnte man nicht einmal zehn Städte finden mit einer jüdischen Einwohnerschaft von je 10000 Personen. Heute gibt es derer an die 20, von denen jede über 100000 Personen zählt. Diese jüdische Konzentration in den Städten mußte natürlicherweise zu einem Faktor von gewaltiger wirtschaftlicher und kultureller Tragweite werden. So begann der Umbau der sozialökonomischen Struktur des osteuropäischen Judentums, ein Prozeß, der im Laufe eines halben Jahrhunderts den wirtr schaftlichen Charakter, die Klassen- und Ständeverhältnisse, ja sogar Inhalt und Form der geistigen Kultur der Juden von Grund auf änderte. Im raschen Tempo beginnen die jüdischen Massen zur produktiven Arbeit in allen Formen überzugehen. Die Zahl der jüdischen Handwerker, der im Transport- und Fuhrwesen Tätigen, der unqualifizierten Arbeiter und der Kleinbauern nimmt rapid zu, soweit die zaristische Regierung den Übergang der Juden zur Landwirtschaft begünstigte oder nur duldete. 36t

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