Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Aufbau und Umbau
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 358 (sequence 4)
- Language
- German
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A. Singalowsky achtbaren Beruf abgeschnittene Schicht, die aus G^legenheitshandlern, vornehmlich Trödlern — halben Bettlern — und kleinen Geldverleihern bestand. Einreißen das wirtschaftliche Ghetto, ändern die alte, ungesunde ökonomische Lebenslage und die Juden wieder der Arbeit und der Natur zuführen» — das war die Losung, mit der die jüdischen Denker und Führer jener Zeit auf die Unerträglichkeit der Situation antworteten. Es gilt — predigten sie — die neuen, äußerlich günstigen Bedingungen auszunutzen, um mit der traurigen Ausnahme^age aufzuräumen. Kann es denn etwas anormaleres und krankhafteres geben als ein Volk, das keine Wurzeln im Erdboden hat, von dessen Säften nicht gespeist wird und mit ihm nicht organisch verknüpft ist? So wird in der Zeit der frühen Judenemanzipation in Frankreich die der jüdischen Masse beschiedene Roljle des Vermittlertums nicht nur ein Problem des staatlichen, sondern auch des sozialen Lebens, ein Problem, das neue Stimmungen und Gedanken innerhalb der jüdischen Gesellschaft auslöst Bereits im Jahre 1791 wendet sich der bekannte Berr-Isaac-Berr aus Nancy, der unermüdliche Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden und ihre physische und moralische Gesundung von den Schäden, die die langen Verfolgungen ihnen zugefügt haben, an die gesamte jüdische Bevölkerung mit einem flammenden Aufruf, sich der physischen Arbeit zuzuwenden. Er schlägt zum Zwecke der Gründung von Anstalten für Berufsausbildung eine freiwillige Selbstbesteuerung vor. Er sagt: Früher, als wir noch keine freie Wahl für unsere Berufe hatten, waren die Vorwürfe unserer Feinde, daß wir arbeitsscheu seien, unbegründet und ungerecht Jetzt dürfen wir solcher Art Vorwürfe nicht auf uns nehmen. „Wir müssen", heißt es weiter in diesem Aufruf, „wohltätige Lehrwerkstätten einrichten und darin unbemittelte Kinder und solche, die zu höheren Berufen untauglich sind, im Handwerk und in solchen gewerblichen Berufen, die der Gesellschaft nützlich sind, unterrichten." — „Schaffen wir Tischler, Schlosser, Schneider usw. Jeder ausgebildete Meister wird seinerseits Lehrlinge ausbilden, und so werden wir allmählich eine jüdische Arbeiterschaft entstehen sehen, die kein anderes Ziel kennen wird, als durch ehrliche Arbeit ihr Auskommen und die Achtung ihrer Mitbürger zu verdienen." — „Müßiggang und Liederlichkeit, die durch Berufslosigkeit der Jugend hervorgerufen wurden, werden auf diese Weise verschwinden."1) x) S. „Lettre d'ua citoyen ä ses confreres" (herausgegeben mit „Lettre du sieur Berr- Isaao-Berr ä M. Gregoire, Senateur", Nancy, 1806). 358