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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 325

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Teilnahme der deutschen Juden am Geldmarkt
Date
1927-08-01
Page
325 (sequence 3)
Language
German
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Die Teilnahme der deutschen Juden am Geldmarkt scheinungen ihren Stempel auf. Das ist einmal das starke Vorhandensein von Geldern aus Auslandsanleihen, andererseits die Gelder öffentlicher Stellen, die am Geldmarkt arbeiten. Vor dem Kriege, als der Berliner Geldmarkt eine ganz andere Bedeutung als internationaler Platz hatte, arbeiteten bei uns zwar auch ausländische Gelder. Es waren vor allem die Gelder der russischen Regierung (3oo—4oo Millionen Mark), die dem Bankhaus Mendelssohn & Co. zur Zinszahlung auf die russischen Staatsanleihen zur Verfügung gestellt worden sind, außerdem arbeiteten hier noch belgische Gelder, die für die gleichen Zwecke hierher gelegt worden waren. Heute ist dies anders geworden. Berlin hat vorläufig seine Stellung als Emissionsmarkt für ausländische Anleihen verloren, Deutschland ist aus einem Gläubigerland ein Schuldnerland geworden. Zur Befriedigung seiner Kapitalbedürfnisse mußte es in großem Umfange an den ausländischen Bankplätzen Anleihen aufnehmen. Bekannt ist, daß Deutschland auf diese Weise nahezu 5 Milliarden Auslandsgelder seit der Stabilisierung hereingenommen hat Dabei ist vielfach eine Vorratsaufnahme zu verzeichnen gewesen. Die Industrie wollte sich die günstige Gelegenheit, auch ihren zukünftigen Kapitalbedarf zu decken, sichern und hat Anleihen aufgenommen in einer Höhe, die sie vorläufig im eigenen Betrieb produktiv gar nicht verwenden konnte. Diese Gelder mußten zinstragend angelegt werden und fanden deshalb beinahe notwendig den Weg zum Geldmarkt Es spielt dabei keine entscheidende Rolle, ob dies direkt geschah oder ob mit Hilfe von Auslandsgeldern Bankschulden abgedeckt wurden, und die Banken ihrerseits diese Beträge dem Geldmarkt zuleiteten. Auslandsgelder finden aber noch auf andere Weise den Weg zum deutschen Geldmarkt In starkem Maße wurden besonders von kommunalen und öffentlichrechtlichen Körperschaften Auslandskredite zum Zwecke der Errichtung von Elektrizitätswerken und Gasanstalten, Krankenhäusern, Chausseen, kurz zu Bauzwecken aufgenommen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß die zur Herstellung solcher Bauten benötigten Gelder nicht sofort ihrem eigentlichen Verwendungszwecke zugeführt werden können, sondern daß das nur schrittweise möglich ist Da man selber die Anleihe verzinsen mußte, konnte man diese Gelder nicht beschäftigungslos im Geldschrank liegen lassen, sondern wollte sie zinstragend anlegen. Das sicherste und beste Mittel war die Anlage am Geldmarkt Neben diesen aus Auslandsanleihen stammenden Geldern arbeiten am deutschen Geldmarkt auch wirkliche ausländische Gelder, die zum Zwecke der Zinsarbitrage hierher gelegt worden sind. Tatsächlich mußte ja das stark erhöhte deutsche 325

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