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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 318

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Das Irrationale im Antisemitismus
Date
1927-08-01
Page
318 (sequence 6)
Language
German
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Felix Goldmann ist, die außerhalb des Machtbereiches der Gemeinschaften liegen, so sind die Kräfte doch erkennbar und erheben sich damit aus dem mystischem Dunkel des absolut Irrationalen. Das Problem der Entstehung der Gefühle ist eben nicht auf eine einfache Formel zu bringen. Wenn man es auf das Individuum bezieht, scheinen irrationale Momente zu überwiegen, und es wird unlösbar. Vom Standpunkte der Gesamtheit aus, im Koordinatensysteme der Weltgeschichte, schrumpft aber das Irrationale zu einem Unwesentlichen und Nebensachlichen zusammen. Der Menschheit sind die Gefühle nicht angeboren, sondern von ihr sind sie erworben! Und die Wege, auf denen es geschah, entziehen' sich weder dem Kausalgesetze noch der geschichtlichen Betrachtung. Wer die Möglichkeit einer Erziehung überhaupt zugibt, bejaht auch diese Sätze. Die Gefühle der Menschen sind beeinflussbar, sie haben sich geändert, und es ist fraglos das Verdienst der großen Religionen, so wenig man ihre Einwirkung im Einzelfalle wird nachweisen können, durch ständiges Betonen ihrer Grundsätze, durch ständiges Mahnen und Verbessern eine gewaltige Erziehungsarbeit geleistet zu haben. Die Weltgeschichte bezeugt, wie sich die Gefühlswelt der Menschen gewandelt hat Wenn ursprünglich, um einige Beispiele zu nennen, Krieg und Kampf allgemein als Sinn und Höhepunkt des Daseins gewertet wurden, und wenn heute solche Meinung zu einer romantischen Schrulle geworden ist, während die tieferen Menschen unseres Zeitalters im Kriege ein Übel sehen, so ist das nicht nur eine Entwicklung der Meinungen, sondern mehr noch der Gefühle. Und ein gleiches gilt, wenn einst das Kriegsziel die völlige Vernichtung des Gegners, der Kämpfer und der Nichtkämpfer sowie ihres Eigentums umschloß, während heute die Unschädlichmachung des waffenführenden Teiles der Feinde für das Gefühl genügt Dieselbe Wandelbarkeit der Gefühle drückt sich in den Fortschritten der sozialen Fürsorge und so manchen anderen Errungenschaften der Kultur aus. Überall hat sich das Gefühl allmählich der ursprünglich verstandesmäßigen Entwicklung angepaßt Sind aber die Gefühle in der Geschichte der Menschheit als eines Ganzen dem Einfluß bewußter Erziehung unterworfen, so muß es natürlich auch beim Individuum zutreffen, da ja schließlich die Menschheit — betrachte man sie in ihrer Ausdehnung oder in ihrer zeitlichen Aufeinanderfolge — lediglich eine Zusammenfassung von Einzelwesen ist Gewiß wird oft die Entwicklung der Gefühlswelt in einem so kurze Zeit lebenden Wesen mit den Mitteln un- 3X8

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