Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Brücken zur Volksgemeinschaft
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 311 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Brücken zur Volksgemeinschaft dauernden Voraussetzungen einer Volksgemeinschaft, die in der Kantischen Dreiforderung der Gerechtigkeit, Duldsamkeit und Menschenliebe zu erblicken sind. Gerechtigkeit! Die Forderung einer unterschiedslosen wahren Gerechtigkeit wird als die selbstverständlichste, am leichtesten zu erfüllende Aufgabe betrachtet Menschenliebe und Duldsamkeit sollen dann ferner helfen, daß die Gerechtigkeit sich über das nicht restlos befriedigende, rein verstandesgemäße Handeln erhebt, nicht zur nüchternen Form erstarrt, sondern durch warmherzige Duldsamkeit verklärt wird. Und nun erleben wir, daß unser Glaube und unsere Hoffnung an die Gerechtigkeit, die als Gesetz des Gewissens die Heiligkeit eines jeden Menschenschicksals würdigt, in geradezu katastrophaler Weise erschüttert worden ist Dies kommt vielleicht in politischer und sozialer Hinsicht am klarsten zum Ausdruck: Die Anhänger der neuen Staatsform glaubten, nachdem die Grundsätze ihrer Staats>- auffassung in der Reichs Verfassung niedergelegt waren, die Verwirklichung dieser Grundsätze im gesamten Staats-, Wirtschafts- und Kulturleben erwarten zu dürfen. Das Recht zu dieser Forderung muß ihnen zweifellos zugesprochen werden. Aber sie haben entschieden unrecht, wenn sie die Gründe für die sich ihnen entgegenstellenden Schwierigkeiten fast ausschließlich in dem persönlichen Verhalten der Gegner suchen. Und genau so ist es auch umgekehrt bei den Gegnern der heutigen Staatsform der Fall. Sie wurden durch Überlieferung, Erziehung, Umwelt oder persönliches Erleben Anhänger der alten Staatsform und sind es auch noch heute. Auch sie sind meist unbefriedigt. Sie sehen nicht nur ihre Ideale, die ihnen Kraft und Stärke gaben, zerstört, sondern müssen,;— wiederum zwangsläufig auf Grund ihrer Weltanschauung — in der Entwicklung der Verhältnisse eine Gefährdung des Staates und des Gemeinwohls erblicken. Auch sie haben nicht nur das Recht, sondern auch die sittliche Pflicht, gegen diese Entwicklung zu kämpfen. Aber auch sie begehen den Fehler, gegen Personen und nicht gegen Ideen zu kämpfen. Hier wie dort wird, sieht man von einzelnen Ausnahmen ab, nach persönlicher Schuld und Fehle des Menschen gesucht, und so übersieht man-entweder die Zwangsläufigkeit geschichtlicher Entwicklungstendenzen oder würdigt nicht die Notwendigkeit einer konservativen Geistesrichtung. Es mag eingewendet werden, daß diese und ähnliche Betrachtungen an sich zwar richtig seien, daß aber die breite Masse des Volkes aus Denkträgheit oder infolge sittlicher Hemmungen derartigen Gedankengängen nicht folgen könne oder gar infolge parteipolitischer Verhetzung nicht folgen wolle. Und so wird die Forderung erhoben, daß die Führer der Parteien, Berufsstande und weltanschaulicher Organisationen sich nicht nur diese abgeklärten, 31t