Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Brücken zur Volksgemeinschaft
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 310 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul Frank empfunden, sich mit seinen Gegnern einmal auszusprechen und in ihre Gedankenwelt einzudringen. Falsch aber wäre es, die nun einmal vorhandenen Gegensätze künstlich abzuschleifen. Das wäre ein Brückenbau ohne feste Fundamen tierung. Gegensätze weltanschaulicher, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Art sind naturgegebene Notwendigkeiten; Entwicklung, Fortschritt und Verbesserung sind ohne Kämpfe undenkbar. Ohne den Widerstand einer vornehmlich auf Erfahrung beruhenden konservativen Richtung drohen die Reformideen fortschrittlicher Stürmer zu utopistischen Phantasiegebilden zu werden. Die Beharrungssucht des Allers bedarf wiederum der kraftvollen Antriebsmacht der Jugend, damit nicht Stillstand eintrete, — gleichsam wie der Pendel nach links und rechts ausschlagen muß, damit das Werk weitergehe. Volksgemeinschaft darf also nicht äußere Einigung auf mittlerer Linie sein, sondern ein Sichfinden in wirklich gemeinsamen Dingen. Nicht eine sogenannte Neutralität, denn diese Neutralität ist oftmals, bewußt oder unbewußt, nur verantwortungsscheue Gedankenlosigkeit und feige Gleichgültigkeit Nichts falscher und bedenklicher deshalb, als wenn gerade so oft die hervorragenden Führer des Geistes und der Wirtschaft sich scheuen, ihre innere Einstellung zu den Dingen des öffentlichen Geschehens bekannt werden zu lassen. Sofern dies aus Feigheit geschieht, richtet es sich von selbst — Das „Über-den-Parteien-Stehen" ist aber oftmals eine nicht zu Ende gedachte Phrase. Seine eigene, dem Volkswohl dienende Anschauung mit Festigkeit vertreten, zugleich aber gegnerische Meinungen gerecht und leidenschaftslos würdigen, ist die beste „Überparteilichkeil". Die Furcht, sich von den Fesseln der eigenen Partei — gleichviel, ob politisch oder wirtschaftlich — einengen lassen zu müssen, ziemt gerade führenden Geistern nicht Wenn der kleine Geschäftsmann oder Handwerker aus Furcht vor der Konkurrenz und Kundschaft ängstlich vermeidet, seine wirtschaftlichpolitische Stellung öffentlich bekannt werden zu lassen, so ist dies menschlich entschuldbar. Nicht entschuldbar aber ist es, wenn unsere Dichter und Denker, unsere Führer in der Wissenschaft, Kunst und Kultur und zum Teil auch im Wirtschaftsleben, sorglich vermeiden, auch Führer und Vorbild für die Art der Austragung wirtschaftlicher und geistiger Kämpfe zu sein. Gerade sie sind in erster Reihe dazu berufen l Gemeinsamkeit des Volkes kann zunächst in vielen realen Wünschen und Forderungen bestehen, die aber in ihrer Vielgestaltigkeit veränderlich und zeitgebunden sind. Hiervon kann hier nicht die Rede sein, wohl aber von den 3t0