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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 312

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Brücken zur Volksgemeinschaft
Date
1927-08-01
Page
312 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Paul Frank: Brücken zur Volksgemeinschaft aus Gerechtigkeitssinn, Menschenliebe und Duldsamkeit getragenen Ansichten persönlich zu eigen machen, sondern auch in diesem Sinne auf die ihrer Fuhrung harrenden Massen einwirken sollen. Ein unmögliches Verlangen, insbesonders in diesen Zeiten! Gewiß sollen diese Fährer weitblickend sein, nicht nur an reale Gegenwartsfragen denken, sondern auch fürsorglich ideale Zukunftshoffnungen berücksichtigen, nicht nur parteipolitisch trennende Demagogie, sondern überparteilich versöhnende Gemeinschaftsarbeit leisten. Aber diese Führer müssen auch so weitblickend sein, um die Grenzen ihres Einwirkungsvermögens auf die Masse nicht zu überschätzen, wollen sie sich nicht der Gefahr aussetzen, ihre Anhängerschaft ganz zu verlieren. Der einzelne Mensch kann vielleicht für eine dem bisherigen Denken und Fühlen neue und fremde Auffassung gewonnen werden, indem man ihm einen über das Alltagsland weitaus überragenden Bergesgipfel zeigt, zu dem der Weg nicht nur weit und beschwerlich, sondern auch gefährlich ist Der einzelne Mensch, aber nicht die Masse, wird vielleicht gerade die Schwere der ihm gestellten Aufgabe als Anreiz zu doppeltem Bemühen und keineswegs als Hemmnis betrachten. Die Volksmasse benötigt jedoch ein Ziel, das zeitlich möglichst bald erreichbar scheint Wenn jedoch diese begreifliche Massen Sehnsucht nicht zu einem utopistischen Massen wahn ausarten soll, so ist es notwendig, daß möglichst viele Einzelmenschen den Ausgleich zwischen dem in naher Gegenwart erreichbaren Können und dem in ferner Zukunft vielleicht einmal möglichen Wollen finden; nicht etwa als schwächlicher Kompromiß, sondern als neuschöpferische Synthese zwischen Gegenwart und Zukunft, Wirklichkeit und Ideal, zwischen eigener und fremder Weltanschauung. Diese Menschen werden selbst dann mit ihrer brückenbildenden Kraft die berufenen Führer zur Volksgemeinschaft sein, wenn sie nur in dem kleinen Kreise ihrer Familie und näheren Umgebung wirken. Ein Bruchteil dieser Kraft ruht in jedem Menschen. Nur muß sie durch gerecht abwägende Analyse eigenen und fremden Wollens und Strebens erkannt und geweckt werden. Es ist dies eine der wichtigsten sozialpädagogischen Aufgaben von Familie, Schule und Gesellschaft; vor allen Dingen aber der Selbsterziehung. 312

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