Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 301 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus Eine Frage ganz ähnlicher Art wurde aber auch erneut für den Juden brennend, der wurzellos und einsam seine Gemeinschaft verlassen hatte und zu der anderen gestoßen war. Auch hier eine Überdeckung der Lebenskreise, die zum Lebensproblem wurde und werden mußte. Auch hier die auf die Dauer unvermeidliche Erkenntnis, daß ein Entweder-Oder nicht ausreichen konnte, daß es keine einfache Wahl zwischen Assimilation oder ausschließlich jüdischer Gemeinschaft gab, ein nationales Problem kompliziertester Art Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte gedanklich eine Betonung nationaler Gegebenheiten. Für den Juden, der so weit von der jüdischen Gemeinschaft schon entfernt war, daß als Auflösung seines Problems nicht der Zionismus, nicht die Rückwendung zum Kultus der Orthodoxie, nicht der Kampf für einen rational gesäuberten Kultus der Liberalen in Frage kam, erst recht aber kein Lossagen, mußte eine neue Antwort gesucht werden. Und sie wurde versucht durch das Herausbilden eines neuen Typus, der sich auf sein Schicksal besinnt und es wollen und lieben gelernt hat Sein Schicksal, das ihm zwangsläufig den Anteil an zwei Gemeinschaften aufgedrängt hat: Die Gemeinschaft des Blutes, die sich abzeichnet mit unentrinnbarer Sachlichkeit nicht nur dort, wo sie gehegt und gewahrt, mit Stolz betrachtet und mit Schmerz geliebt wird, nein, auch dort, wo sie brachgelegt und vergessen ist, abgezeichnet in irgendeinem fühlbaren Anderssein, nur fühlbar dem Instinkt, fast unbegreiflich der ratio. Und die andere Gemeinschaft, die sich vorbereitet hat im-Zeitalter des Ghetto, unmerkbar ihre anpassenden Wirkungen als Errungenschaften des Geistes und der Form auch ins Ghetto entsandte, mächtig in der Emanzipationsbewegung einzuwirken begann und seitdem nicht mehr aus dem Leben, aus der Person der deutschen Juden, des deutschen Juden wegzudenken ist Schicksalsgemeinschaf t des Bodens, der Luft, der Dichter, der Gedanken, der Geschichte, geworden und aufgenommen unter dem Zwang des Raumes und der Zeit, und ob ersehnt oder gewehrt, sie ist da. Dieses Schicksal, die Überdeckung zweier Lebenskreise ist an sich für jeden Juden gegeben, welche Stellung zur jüdischen Gemeinschaft er auch hat, es liefert entsprechend der Stellung verschiedene Bilder. Den ersten drei Typen ist gemeinsam, daß sie den ungeheuren Zwiespalt, der durch das zwangsläufige Teilhaben an zwei Kulturkreisen, zwei Schicksalsgemeinschaften entstanden ist» in einer Weise zu lösen bestrebt sind, die den Zwiespalt irgendwie aufheben, ungeschehen machen soll. Die Zionisten versuchen es durch Rückführung der Juden in eine geschlossene Volkheit, die 301