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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 300

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
Date
1927-08-01
Page
300 (sequence 16)
Language
German
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Hilde Landauer scbiedenes hervor. Der Proletarier wurde heimisch in dem realen Gebilde der Partei, seiner Partei, sie wurde ihm der lichterfüllte Raum seines Daseins, in dem er die bis dahin verwehrte Anknüpfung an die Kultur fand, seine Kräfte spielen lassen konnte, sich als Persönlichkeit im Dienste einer Idee, als wertbetonte Persönlichkeit unbewußt fühlte, bewußt erkennen lernte. Die ewig Blinden lernten sehen, und der Erfolg war überwältigend. Der Jude konnte nicht einfach heimisch werden, einfach seine Einsamkeit und die Erinnerung daran aufgeben, der Proletarier fand seine Aufgabe und sich, der Jude fand eine Aufgabe und den anderen; zu dem anderen führten Brücken, starke Brücken, gute Brücken, aber Wurzellosigkeit ist nicht in einer Generation verwunden. Die Ausnahmen von dieser bleibenden Heimatlosigkeit sind als Personen interessant, für den Strom nicht beispielhaft Man wird bei Karl Marx keinen Ton dieser jüdischen- Einsamkeit spüren, in seinem Werk, in seinen Briefen, in seinen Ansprachen ist es dasselbe, hier hat der Mann seinen Platz, seine Wurzelerde gefunden, die Größe seiner Aufgabe hat ihm das Heimatrecht bei seinen Gesinnungsgenossen geschenkt Aber wie vielen werden Größe und Rechte geschenkt? Und nur die Vielen beweisen, nicht die Exponenten. Für beide, Proletarier und Jude, änderten sich historisch die Voraussetzungen. Der Proletarier bildete seine Partei, die ein fest verwurzeltes und unentbehrliches Glied der national begrenzten Gemeinschaft wurde, das Los der Klasse belebte die internationale Schicksalsgemeinschaft und das Los des Tages die nationale. Allen Theorien zum Trotz — die Theorie liebt das Entweder-Oder — setzte sich als Tatsache und als Bewußtsemsinhalt durch, daß die Lebenskreise sich nicht säuberlich ausweichen, sondern wuchernd überdecken, ein Prozeß, der im Abrollen ist Dieser Prozeß entwickelt die Aufgabe, den nationalen und den internationalen Lebenskreis in ihren Beziehungen und Überdeckungen geistig zu begreifen, zu verarbeiten, zu bejahen und diese Erkenntnis auf eine lebensfähige alltagliche Form zu bringen, wie es überhaupt der Sinn einer jeden politischen Arbeit ist, letzte Ziele und letzte Erkenntnisse in eine noch faßbare und deutliche Beziehung zum täglichen Handeln zu bringen. Die Partei wesentlich proletarischer Herkunft, die ihre geschichtliche Rolle mit der Unterschätzung nationaler Bindungen begonnen hat, ist nach wenigen Jahrzehnten darauf hingeführt worden, sich mit der Frage der Geltung und des Gewichtes nationaler und internationaler Bindungen auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung ist nicht in einer Generation zu vollziehen, aber ihre Spuren gehen schon jetzt tief. 300

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