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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 297

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
Date
1927-08-01
Page
297 (sequence 13)
Language
German
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Die Typen des deutschen Judentums In ihrer Beziehung zum Sozialismus Widerspruch, der den Unterschied zwischen bürgerlicher und proletarischer Grundlage, bürgerlicher und proletarischer Kulturaneignung enthält Das letzte Ziel auch der proletarischen Kulturaneignung ist die Persönlichkeit, aber vor dieses letzte Ziel hat die geschichtliche Entwicklung die Knebelung der Klasse und die Befreiung der Klasse gestellt Die Einsicht in den nur formalen Charakter des Widerspruchs war geistesnotwendig nicht gleich zu gewinnen. Der Liberalismus kämpfte seinen schlagwortartigen Kampf gegen den Sozialismus, und die liberalen Juden kämpften ihn mit Es können hier alle Gründe außer Betracht bleiben, die noch zu der ablehnenden Haltung des liberalen Judentums beitragen konnten und beigetragen haben, die nicht spezifisch jüdische Grundlagen haben. Es sind das wieder die bourgeoisen Instinkte des gesicherten Menschen, die die Juden mit den Nichtjuden teilen. Die weiteren Stadien der Auseinandersetzung des liberalen Judentums mit dem Sozialismus fallen zeitlich auch zusammen mit der oben erwähnten Rückwendung zu jüdischen Bindungen. Damit war schon ein Moment gegeben, das gegen die Teilnahme am Sozialismus als Bewegung der nichtjüdischen Gemeinschaft sprach. In seiner geschilderten Grundlage ist der Sozialismus eine Gedankenwelt, die das Subjekt ausschließlich und ganz erfaßt Radikale Gedanken wie die der Umschichtung der Schichten, der Umgestaltung des Wirtschaftsprozesses, der außerordentlichen Ausweitung des geistigen Raumes über eine Masse von Individuen, die er bis dahin nicht umfaßte, verlangen ein Festwurzeln, erfüllen das Innerste von Geist und Charakter. So erscheint als alles überragendes Kriterium derjenigen Geistesverfassung, die zum Sozialismus prädisponiert, ein Zurücktreten aller anderen Bindungen. Das trifft nicht zu für den zionistischen, für den orthodoxen, für den liberalen Juden gerade in seiner Rückschwenkung. Je stärker eine jüdische Bindung empfunden wird, um so weniger kommt eine andere ausschließliche Bindung in Betracht Bei den hier geschilderten Möglichkeiten der Beziehung zwischen liberalen Juden und dem Sozialismus handelt es sich keineswegs um zwangsläufige, sondern nur um mögliche Entwicklungen. Treten sie ein, so scheinen die beschriebenen Beziehungen wesentlich. Ihre Bedingtheit im Jüdischen liegt nicht in einer jüdischen Ideologie, sondern in einem historisch gegebenen Zufallsschicksal, das als solches neue historisch gegebene Formen hervorgebracht hat, Formen, die nicht nur und nicht eindeutig dadurch bestimmt sind, daß sie dem einstigen jüdischen Volk und seiner Lehre entstammen, sondern auch 297

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