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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 296

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
Date
1927-08-01
Page
296 (sequence 12)
Language
German
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Hilde Landauer Gründen Gesetzesvorschriften wegließ, sondern es wurde als wesentlich herausgehoben, daß man aus irrationalen Gründen wieder Bindungen einging. Die Schicht des liberalen Judentums kommt nun für eine bewußte Stellungnahme zum Sozialismus stärker in Betracht als die orthodoxe. Bei ihr sind freie geistige Räume da, sie hat durch ihre Losung aus straffen jüdischen Bindungen diese Räume geschaffen, sie ist durch ihr Streben nach dem Zugang zur nichtjüdischen Schicksalsgemeinschaft sogar zwingend veranlaßt, sich mit einer so wesentlichen Bewegung wie der sozialistischen Bewegung auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung steht aber nicht unmittelbar an den Anfängen, nicht gleich im ersten Stadium des liberalen Judentums. Aus historischen Gründen, denn ein für das tägliche politische Leben diskutabler politischer Vertreter des Sozialismus war ja in den Anfängen des liberalen Judentums nicht vorhanden. Trotzdem das kommunistische Manifest bereits i848 erschienen ist, so war doch sein Inhalt, die Erkenntnis vom Wesen des Sozialismus, durchaus nicht Gemeingut auch nur derer, die es im Tiefsten anging, der Arbeiterklasse. Erst mit Lassalles Agitation in den 6oer Jahren traten diese Gedanken ins praktisch-politische Leben, konnten Gegenstand der Anziehung und Ablehnung werden. Sobald der Sozialismus als organisiertes Parteigebilde den politischen Raum betrat, erweiterte sich die Anschlußmöglichkeit für die Juden, die von der jüdischen Gemeinschaft herkommend, mit ihr noch problematisch durch Gegensatz oder Pietät, oder Rückwendung verbunden, die Geltung und Mitarbeit in der nichtjüdischen Gemeinschaft anstrebten. Die Auseinandersetzung mußte beginnen. Sie scheint vorwiegend durch diesen Gedanken bestimmt zu sein. Der Liberalismus ist ausgegangen von der Freiheit von Bindungen, die sozialistische Auffassung von der Solidarität tritt dazu in einen formalen Widerspruch. Der Liberalismus betrachtet den einzelnen in seiner Sphäre, die er noch mehr abgrenzen möchte gegen die Sphäre der anderen, um die Freiheit von allen Bindungen aufs Äußerste zu garantieren; er kann das, weil er von einer Sphäre ausgeht, die bereits eine gewisse Freiheit der Entfaltung zur Grundlage hat Der Sozialismus betrachtet die Schicht in ihrer Sphäre, er stößt vor gegen die Grenzen der Schicht, die er eben zu diesem Zweck als Schicht zusammenfassen und binden möchte; er muß das, weil die Schicht in ihrer harten Begrenzung keinen unmittelbaren Ausgang zur individuellen Freiheit eröffnet Hier löst sich der scheinbare, aber nur formale 296

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