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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 292

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
Date
1927-08-01
Page
292 (sequence 8)
Language
German
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Hilde Landauer entstellt Das Verneinen der inneren Berechtigung der Gregebenheiten ist es aber, was nach der hier festgehaltenen Definition den radikalen Charakter des Sozialismus ausmacht Es besteht also zunächst für den orthodoxen Juden keine geistige Nötigung, zum Sozialismus überhaupt Stellung zu nehmen, weil dieser Raum in seinem Denken eigentlich bereits erfüllt ist Es kann freilich eine ungeistige Nötigung für ihn bestehen, gegen ihn Stellung zu nehmen, die auch vorkommt, aber als nicht spezifisch jüdisch hier nur kurz gestreift werden soll Diese ungeistige Nötigung kann in einer bourgeoisen Einstellung des gesicherten Menschen liegen, der zwar seinen Zehnten getreu dem Gesetz gibt, aber auf keinen Fall die Größe dieses Zehnten und damit der neun übrigen Zehnteile in Frage gestellt wissen möchte durch radikale Bewegung der Schichtungen. Diese bourgeoise Einstellung ist hinreichend vorhanden als ungemein menschliche Erscheinung; als spezifisch jüdisch muß wohl hervorgehoben werden, daß eine tief religiöse Erfassung der Pflichten einer wahrhaft jüdischen Lebensführung geeignet ist, die bourgeoisen Instinkte zu mildern. Es kann sich hier geltend machen, daß die jüdische Geschichte und Lehre von tiefem Verständnis für die Lage der Bedrängten und Enterbten erfüllt ist, und daß ausgehend von dem ergreifenden Satz: Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken, denn ihr wisset um der Fremdlinge Herz---- dieweil ihr auch seid Fremdlinge gewesen in Aegyptenland----, 2. Buch Mose 23, 9, immer wieder ermahnt und geboten ist, des Armen und Bedrängten zu gedenken. Freilich ist der Erfolg der Lehre eingegliedert worden in das vielfältige geschichtliche Geschehen mit Antrieben und Hemmungen von allen Seiten, aber nie ist das Fundament ganz verschüttet worden. Als Resultat dürfte festzuhalten sein, daß die orthodoxe Lebensführung keinen wesentlichen Raum zu entschiedenen Beziehungen zum Sozialismus läßt, seien sie nun positiv oder negativ. Den beiden Typen, dem zionistischen und dem orthodoxen ist gemeinsam, daß sie eine Willensgemeinschaft mit jüdisch bedingter Ideologie sind. Dieser starre Rahmen wird sofort gesprengt, wenn es sich um einen Typus handelt, der keine einheitlich jüdische Ideologie hat Die zu betrachtende Wesensform wird damit eine fließende, ihre Umrisse dehnen sich, die Art der Betrachtung wird aus einer feststellenden zu einer beschreibenden, die versucht, die gedehnten Umrisse nachzufahren. 292

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