Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 291 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus der Assimilation besondere Grenzen gesetzt, der Absonderung eine religiöse Note verliehen. Die orthodoxe Lebensführung kann verschiedenen Wurzeln entspringen. Es kann die jüdische Tradition unbewußt in ihr lebendig sein» die übernommenen Gesetze sind dann eben selbstverständliche, gewachsene, lebendige Form. Oder sie sind bewußt belebte Form, bei der hier nicht untersucht werden soll, ob objektive Kriterien des Lebendigseins auf sie angewandt werden können, sondern es genügt, daß der in dieser Form Existierende sie als für ihn lebend erachtet Bei beiden ebengenannten Formen kann die Pietät eine Rolle spielen, die die Tatsache als bindend und verbindlich hervorhebt, daß das Gesetz schon für. Väter und Vorväter gegolten hat Bei beiden kann ebenso das religiöse Bedürfnis entscheidend sein, das leicht zu festen Formen drängt, in denen es sich geborgen und geschützt fühlt Auch hier muß von einer Erörterung abgesehen werden, wann und unter welchen Bedingungen das religiöse Gefühl die feste Form besonders begehrt, dogmenheischend und dogmenbildend wird, und wann und auf welcher Ebene geistiger Gesamthaltung das religiöse Bedürfnis unbestimmt und durchaus nicht kirchenbildend ist Aus welchen Voraussetzungen aber die orthodoxe Beobachtung des Gesetzes auch stammen mag, gemeinsam bleiben die Folgen. Das jüdische Gesetz erfaßt den Menschen in jedem Teil seiner Lebenshaltung, es regelt Großes und Kleines, gibt die Normen für das sittliche Handeln ebensowohl wie für Essen und Baden. Es ergreift und erfüllt den Menschen, gibt ihm eine ausreichende Anleitung für seine gesamte Lebensführung und pflichtgemäßes Verfahren gegenüber Gott und Mitmenschen. Das pflichtgemäße Verfahren gegenüber den Mitmenschen ist damit aber auch soweit geregelt, daß eine andere Richtschnur als die Beachtung der jüdischen Gesetze, eine andere Zielsetzung als ein wahrhaft jüdisches Leben nicht gefordert werden kann. Eine radikale Gedankenrichtung auf politische Ziele des Staatsganzen, in dem sich Juden unld Nichtjuden befinden, ist nicht veranlaßt, denn das jüdische Gesetz. gibt eine Reihe Anweisungen, die die Härte der Schichtungen auszugleichen versuchen. Wer sie als orthodoxer Jude befolgt, hat in seinem Sinne das Seinige getan und keine geistige Nötigung, sich noch anders als "Glied seiner zweiten Schicksalgemeinschaft zu betätigen. Überdies hat jede positive Religion die Tendenz, konservativ zu sein. Das Bejahen der Gegebenheiten, und als die realsten aller Gegebenheiten erscheinen dem Menschen die klassenmäßigen Schichtungen, birgt in sich das Lob des allwissenden Schöpfers. Sein Werk ist vollkommen und es wird nur durch die Unzulänglichkeit des Menschen 19* 291