Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 282 (sequence 13)
- Language
- German
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Julius Goldstein eigner Bequemlichkeit und Interessen, ist ein berufener Vertreter, wer unter den sozial gehobenen Deutschen mithilft an der Arbeit, ist ein echter Auslandsdeutscher-" . . * * * Als Gast der Berliner Universität hat der Geograph S. R. Steinmetz, Professor an der Universität Amsterdam, im Januar 1924 vier Vorträge gehalten über „Die Nationalitäten in Europa". Wie Prof. Penk, Der Direktor des Geographischen Instituts der Berliner Universität, im Vorwort bemerkt, haben diese Vorträge das Interesse der Hörerschaft in höchstem Maße erregt In der Zeit unmittelbar nach der Inflation ließ sich die Drucklegung der Vorträge nicht ermöglichen. Sie sind in diesem Jahre im Ergänzungsheft Nr. II der Zeitschrift der „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" erschienen. Ich kenne kaum eine neuere Publikation über dieses Thema, die auf 67 Seiten eine solche Fülle von Gedanken und Tatsachen bringt Kritische Besonnenheit paart sich mit sicher beherrschten Kenntnissen der wissenschaftlichen Literatur der Hauptkulturvölker. Steinmetz, ein Gelenrter von Weltruf, vertritt hier eine Wissenschaft, die er Soziographie oder soziale Geographie nennt Sie hat zur Aufgabe, „die menschlichen Gruppen, an erster Stelle natürlich die Staaten und Völker, in ihrer Verschiedenheit — wodurch sie sich von der abstrakten Soziologie unterscheidet — zu beschreiben und zu studieren". Die vorliegende Schrift zerfällt in drei Teile: Der erste allgemeine erörtert das allgemeine Problem der Nationalität, der zweite gibt eine Übersicht über die Nationalitäten Europas am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, der dritte bringt Schlußfolgerungen und praktische Lösungen. Ich hebe hier einiges aus dem ersten Teil kurz hervor. Steinmetz unterscheidet Volk; Nation und Nationalität Volk ist die Menschenmenge, welche auf einem bestimmten Gebiete zum souveränen Staat organisiert ist Nation ist das bewußt sich selbst im eignen Staate wollende und erkennende Volk. Nationalität ist ein abhängiger Volksteil, welcher, seiner Eigenheit bewußt, nach Abtretung strebt oder nach Selbständigkeit oder nach Anschluß an denjenigen Staat, in dem die Hauptmasse der ihm gleichartigen Menschen wohnt Es gibt keine völlig homogenen Völker. Eine gewisse innere Heterogenität ist sogar von besonderem Wert, „weil sie den Keim neuen Lebens in sich birgt". Die vollkommene Einheitlichkeit — das Ideal der engvölkischen Nationalisten — würde, wie Steinmetz ausführt, das Volk mit Erstarrung bedrohen. Es gibt keine völlig vereinheitlichte Nation. Innerhalb ihrer bleiben 282