Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 283 (sequence 14)
- Language
- German
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Die subjektive Volkstheorie die Religionsunterschiede, die Gegensätze zwischen den sozialen Klassen und Ständen, die Verschiedenheiten, die aus den geographischen Einflüssen der verschiedenen Landesteile herstammen. Überall dort, wo nun Sondergruppen mit scharf ausgeprägter Eigenart der Einfügung in die herrschende Nation widerstreben, und nach politischem und kulturellem Zusammenschluß mit gleichgearteten Gruppen anderer Staaten hinstreben, haben wir ein National itätsproblem vor uns. Die Nationalitäten sind etwas ganz anderes „als die differenzierten Glieder des Volkes, welche so gut zum Ganzen gehören, als die verschiedenartigsten Mitglieder einer innig vereinten Familie, denn diese Verschiedenheit erhöht nur den Reichtum und den Reiz der Einheit wie die verschiedenen Facetten eines Diamanten. Die Nationalität aber ist wie ein fremde Ente im Teich: Sie ist anders geartet und hegt andre Wünsche." Steinmetz erörtert des längeren die Frage, was die zusammenhaltende Kraft der Nationalität sei Rasse lehnt er als unzulänglich und unzutreffend ab. Auch die Sprache ist bei aller ihrer Bedeutung nicht immer das Entscheidende. Die Iren führten ihren Kampf gegen England in englischer Sprache. Das letzte entscheidende Merkmal der Nationalität ist der Wille zur Selbständigkeit „Der wirkliche Wille allein macht die Nationalität" Wenn dieser Wille feWt, so ist eben keine Nationalität vorhanden, sondern bloß ein unzufriedener Volksteil. Steinmetz kommt im Zusammenhang dieser Gedanken auch auf die Juden zu sprechen: „Wenn die Mitglieder einer einstmaligen Nationalität sich weit zerstreuen, hat wirklich ihre letzte Stunde geschlagen. Dieses Schicksal traf die Juden, und desnalb ist es sehr schwer, an die Zukunft ihrer Nationalität als solche zu glauben. Über die ganze Erde fast verbreitet, obwohl hie und da mehr gedrängt aufeinandergehäuft und in größerer Anzahl . . . sind ihre ökonomischen und auch ihre kulturellen Beziehungen zu den Völkern, in deren Mitte sie wohnen, zu viele und zu starke, um je wieder gelöst zu werden. Nur wenn das alte Palästina, was eben durchaus nicht der Fall, ein großes, leeres, gut gelegenes, reiches, vielversprechendes Land wäre, und wenigstens ein Bruchteil der Juden sich dort zu einer kräftigen unabhängigen Nation entwickeln könnte, würde dieser nationale Kern die Masse der anderen allmählich an sich ziehen. Alle diese Bedingungen des Zionismus sind leider night erfüllt. Die Juden bilden eben keine Nationalität, schon wegen ihrer hochgradigen Zerstreutheit" (p. 18). 283