Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 280 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895467-2895471-2897979--02021-2898074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Julius Goldstein nicht die Haussprache hat Bedeutung für die Volkszugehörigkeit Die Haussprache hält sich am zähesten. „Wir haben untrügliche Beweise dafür, daß sich die als Haussprache mährisch sprechenden Hultschiner heute im tschechoslowakischen Staat als Deutsche auch unter Druck bekennen . . . Die Abstimmung in Masuren (Ostpreußen), die nur i,5 v. H. Stimmen für Polen ergab, beweist das gleiche. Diese fremdsprachigen Gruppen gehören auch zum deutschen Volke, nicht nur politisch sondern tatsächlich" (Seite 220). Wie wenig ein besonderes Staatsgefühl stammesmäßig bedingt zu sein braucht, weist Loesch an dem heute so betonten bayerischen Staatsgefühl nach: „Das heutige bayerische Staatsgefühl ist ein junges Erzeugnis, das Ergebnis einer folgerichtig durchgeführten Politik, die erst (1806) mit der Neugründung des bayerischen Staates unter dem pfälzischen Wittelsbacher Max Josef L einsetzen konnte. Dieser durchaus aufklärerische, in französischer Vorstellungswelt groß gewordene Fürst, der vor seiner Thronbesteigung französischer Oberst gewesen war, brachte Franzosen und französisch Denkende als Beamte nach Bayern mit Der zwar in München geborene, aber aus einem savoyischen Geschlecht stammende Graf Montgelas, welcher in Nancy und Straßburg studiert hatte, und dessen Mitarbeiter schufen nicht nur nach französischem Muster eine zentralistische Verfassung, sondern sie zerstörten gerade in den altbayerischen Landen planmäßig Kirchen und Klöster, die Horte der Tradition. Dem ersten pfälzischen Wittelsbacher und seinen Nachfolgern gelang es, mit Hilfe ihrer Beamtenschaft, vorwiegend liberalen Kraft des niederländischen Volkes und für die Erhaltung und Verbreitung der niederländischen Sprache und hat in den letzten Jahren an Ausbreitung, Einfluß und Stoßkraft gewonnen. Der Verband spricht in seinen Satzungen von niederländischem Stamm, an Stelle von niederländischem Volk, und hat in seinen Veröffentlichungen bis heute diese Bezeichnung beibehalten, obwohl in seinen eignen Reihen frühzeitig auf das Irrtümliche dieser Ausdrucksweise hingewiesen worden ist. Da der Verband auch alle Abkömmlinge und Verwandte des niederländischen „Stammes" in sein Arbeitsbereich einzieht, das niederländische Volk aber aus den wirklichen Stämmen der Friesen, Franken und Sachsen entstanden ist, deren Nachkommen auch in den an Holland grenzenden deutschen Gebieten sitzen, so besteht die Gefahr, daß allzu eifrige Vertreter des großniederländischen Gedankens auch diese in den Wirkungsbereich ihres Verbandes einbeziehen möchten. Umgekehrt könnten deutsche Grenzland verbände bei Anwendung jenes unrichtigen Begriffes „Stamm" alle niederländischen Gebiete zu ihrem Arbeitsfelde rechnen, wodurch die Schiefheit jener Bezeichnung sofort deutlich wird. Besonders schwierig wird die richtige Beurteilung des verwandtschaftlichen Verhältnisses zwischen Niederländern und Deutschen dadurch, daß die Bewohner an beiden Seiten der Grenze nicht nur derselben Abstammung sind, sondern auch heute noch den gleichen Dialekt sprechen und viele gemeinsamen Kulturerscheinungen haben. Wenn man in Holland glaubt, von der bisher gebrauchten Bezeichnung nicht abgehen zu können, so wird man in Deutschland gut tun, sich ihrer Problematik bewußt zu sein und wie bisher auch weiterhin nur von einem niederländischen „Volke" zu sprechen" (S. 339). 280