Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 278 (sequence 9)
- Language
- German
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Julius Goldstern Die subjektive Volkstheorie spricht auch aus dem Aufsatz des Hauptpastors Johannes Tönnesen: „Die grenzdeutsche Aufgabe Schleswig- Holsteins". Wenn das deutsche Volkstum gewahrt werden soll gegen das dänische, so handelt es sich nicht um Bewahrung objektiver Besonderheiten. Nach Rasse, Sprache und allgemeiner Kultur sind in Schleswig-Holstein Deutsche und Dänen fast gleich — was die Volksbesonderheit ausmacht, ist eine Willensentscheidung, ein verschiedenes Bekenntnis für den dänischen Staat oder für den großdeutschen Gedanken. In dem Aufsatz „Eupen, Malmedy, Monschan" von Dr. Werner Wirths wird hervorgehoben, daß im Kreise Malmedy die 9000 Einwohner wallonischer Herkunft und Sprache die Reichszugehörigkeit und den Willen zu Deutschland am stärksten betont haben. Wieder wird die subjektive Volkstheorie, nach der Wille und Gefühl der Menschen entscheidend sind für die Zugehörigkeit zu einem Volke, entgegengesetzt der objektiven Volkstheorie, mittels welcher die Entente diese Wallonen — weil sie fremder Herkunft and Sprache sind — von Deutschland gelöst haben. „Die preußische Wallonei hat trotz der sprachlichen Verwandtschaft keinerlei kulturelle Verbindung mit den belgischen Wallonen. Es zeigt sich hier fast der gleiche Vorgang wie an der Ostgrenze in dem Gegensatz der wasserpolnisch sprechenden Oberschlesier zu den Kongreßpolen und den Posener Großpolen." Bemerkenswert ist die nicht ganz einheitliche Behandlung der Volkszugehörigkeit der Juden. Sie wird teils von der subjektiven, teil von der objektiven Volkstheorie bestimmt Professor Laubert („Das Nationalitätenverhältnis von Westpreußen und Polen zur Zeit der polnischen Teilungen und vor Kriegsausbruch") zählt die i5 35o Israeliten, die 1828 in der Provinz Westpreußen wohnten, zu den Deutschen. Auch in der Tschechoslowakei und in Ungarn werden die Juden, die sich zum Deutschtum bekennen, den Deutschen zugerechnet, wobei allerdings betont wird, daß das Judentum in seinem „nationalen Bekenntnis schwankend sei". So schreibt Prof. Vogel in seinem Aufsatz: „Deutsche und entdeutschte Städte in Ost- und Südeuropa": „Fast überall haben sich (deutsche) Minoritäten gehalten (im tschechischen Sprachgebiet).. Freilich muß bei der Beurteilung der Zahlen das in seinem nationalen Bekenntnis schwankende Judentum beachtet werden". Hier ist vor allem festzustellen: Die subjektive Volkstheorie wird anerkannt; Juden gelten als Deutsche, wenn sie sich zum Deutschtum bekennen. Aber wie steht es mit dem Vorwurf, das Judentum sei schwankend in seinem nationalen Be- 278