Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 277 (sequence 8)
- Language
- German
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Die subjektive "Volkstheorie man sie als zur deutschen Gemeinschaft gehörig rechnet, bei den Juden werden diese Faktoren nicht entscheidend gewertet, obgleich sie hier viel stärker zu bewerten sind, weil die deutschen Jaden in Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Wirtschaft Wesentliches zur deutschen Kultur beigetragen haben. Die subjektive Volkstheorie herrscht ziemlich durchgehend in einem umfangreichen Sammelwerke „Volk unter Völkern", herausgegeben von Dr. K. C. Loesch in Zusammenarbeit mit A. Hillen Ziegfeld (Ferd. Hirt in Breslau 1925). Es ist der erste Band der Bücher des Deutschtums, die der deutsche Schutzverband, eine Dachorganisation der verschiedenen Vereine für die Pflege und Erhaltung des Deutschtums im Auslande, herausgegeben hat Das Werk ist eine bedeutende Kundgebung für die subjektive Volkstheorie, die sie für die mannigfaltigen Aufgaben der Deutschtumsarbeit fruchtbar erweist Schon in der Darlegung der Ziele kommt unzweideutig die Ablehnung der engvölkischen Auffassung ,wie sie etwa Stapel in seiner Schrift „Antisemitismus" vertritt, zum Ausdruck. „Rasseneigenschaften im Sinne einer naturwissenschaftlich zu begründenden Gleichheit der Abstammung und daraus folgender homogener körperlicher und geistiger Eigenschaften fehlt freilich. Aber es gibt eine weitgehende Angleichung der Ideale und der erworbenen Eigenschaften. Sie erst kennzeichnet das Deutschtum" Auch sonst werden einseitige und zugespitzte Theorien als verderblich für die gemeinsame Arbeit zurückgewiesen. In einem vortrefflichen Aufsatz „Schutzarbeit und Kulturarbeit" von Dr. Karl Giannoni (Wien-Mödling) wird hervorgehoben, daß man sich in der Schutzarbeit für das deutsche Volkstum nicht auf eine einzige Auffassung vom Wesen des Volkstums ein schwören dürfe, — wie es z. B. Stapel und die engvölkischen Nationalisten tun, die behaupten, nur die Fichtesche Theorie vom Wesen des Volkstums dürfe für alle hier in Betracht kommenden Fragen gelten. Hiergegen wendet sich Giannoni mit den Worten: „Ob das Volkstum eine übersinnliche Wesenheit oder das Ergebnis materieller Bedingungen, ob es eine Gemeinschaft oder nur eine Gemeinsamkeit sei, kommt für die Schutzarbeit nicht in Betracht"---- Es ist wertvoll, sich mit diesen verschiedenen Auffassungen zu beschäftigen, sie zu prüfen, aber „wir brauchen für die Gedanken der natürlichen Volksempfindung, auf den es in der Schutzarbeit ankommt, nur zu betonen, daß das Volkstum gegeben ist als eine menschenbestimmende Erscheinung". 277