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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 276

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Subjektive Volkstheorie [Rezension]
Date
1927-08-01
Page
276 (sequence 7)
Language
German
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Julius Goldstein Französische Vereine, wie Les Amis de Lusace (Freunde der Lausitzer Wenden), der tschechische Verein Adolf Cerny in Prag, Le monde slave, eine f ranzösisch-slavische Revue und die Vereine der Tschechen im Ausland, nehmen die wendischen Belange nach national-tschechischer Art wahr. Hierzu schreibt Schmidt: „Nichts kann die Bereitwilligkeit der Deutschen, ihren wendischstammigen Brüdern trotz mancher weitgehender Ansprüche immer wieder nachgiebig und freundlich zu begegnen, mehr gefährden als die vom Ausland aus4 unablässig betriebene Aufregungsarbeit. Frieden und Glück für die wendisch redenden Lausitzer kann ja nur gefunden werden, wenn sie in der durch Jahrhunderte geheiligten Schicksals- und Kulturgemeinschaft mit ihren deutschen Mitbürgern verbleiben."____„Was in der preußischen Lausitz bereits erreicht ist, was der größte Teil auch der sächsischen Wenden bekennt, daß sich die ehemaligen Wenden als »deutsche Staatsbürger wendischer Abkunft' fühlen, das muß auch für den abseits dieser Erkenntnis stehenden kleineren Teil der wendischsta^mnigen Deutschen das Ziel der Entwicklung sein. Nur so kann der Scheinkonflikt zwischen Nationalitat und Staatsgesinnung, der so manchem Wendischstämmi gen schwere Stunden und Irrungen bereitet hat, endlich beseitigt werden. Ein starkes Nationalgefühl all seiner Glieder ist gewiß für jedes wirkliche Volk ein hohes, erstrebenswertes Gut, die beste Gewähr einer achtunggebietenden Existenz, aber dieses Gefühl kann für den Abkömmling wendischen Stammes eben nur das Gefühl sein, dem deutschen Staate anzugehören; Alles andre ist eine krankhafte Überspannung des nationalen Prinzips, eine nationalistische Überreizung, und wo sich diese Überreizung noch findet, muß sie überwunden werden durch politischen Tatsachensinn, durch Staatsgesinnung" (p. 126). Ich habe mit Absicht diese Stelle aus dem Schlußabschnitt der Schmidtschen Schrift wörtlich wiedergegeben. Die Parallele mit den deutschen Juden drängt sich von selbst auf. Dort wurde eine in Sprache und Stamm abgesonderte Gruppe als „wendischstämmige Brüder" bezeichnet Es gibt bei den Wenden wie bei den Juden eine nationalistische Gruppe, — bei den Wenden hört man auf die dem Deutschtum ergebene Gruppe, bei den Juden auf die die deutsche Volksgemeinschaft ablehnende Gruppe. Bei den Wenden betont man Kultur- und Wirtschaftsgemeinschaft, d. h. also subjektive Faktoren, auf Grund deren zahl der deutschen Juden, sie seien kein Volk mehr und seien Deutsche, als unrichtig ab. Bei den Wenden hält man sich also an diejenigen, die ein eigenes Volkstum ablehnen, bei den Juden an diejenigen, die ein eigenes Volkstum bejahen. 276

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