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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 271

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Subjektive Volkstheorie [Rezension]
Date
1927-08-01
Page
271 (sequence 2)
Language
German
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Die subjektive Volkstheorie Gesetzt aber, diese selben Jaden wohnten nicht in einem von Feinden bedrohten Zipfel Deutschlands, sondern verstreut in Thüringen, Bayern, Westfalen und Hessen als Juden deutscher Kultur und Sprache, deutschen Staatsbewußtseins und deutschen Zukunftswillens — wie sprächen dann die Völkischen zu ihnen? „Ihr seid gar keine Deutschen, denn deutschen Volkes ist nur, wer deutschen Blutes ist Volk ist etwas Objektives, ist Abstammung, ist Rasse. Und ob Ihr auch noch so sehr beteuert, deutsch zu sein, Ihr seid Fremde von Bluts wegen und müßt deshalb unter Fremdenrecht gestellt werden." So bedient man sich zweier verschiedener Theorien vom Wesen des Volkes: Für bedrohtes Grenzland der subjektiven Volkstheorie, nach der die psychische Einstellung über die Volkszugehörigkeit entscheidet; für das Binnenland der objektiven Volkstheorie, nach der die Abstammung über die Volkszugehörigkeit zu bestimmen hat Wenn die deutschen Juden aus dem Gefühl innerster Verbundenheit den Anspruch auf deutsche Volkszugehörigkeit gegen die Engvölkischen verteidigen, so können sie sich dabei auf eine steigende Zahl deutscher Schriften berufen,, deren Verfasser dem völkischen Ideenkreis nahe stehen und doch die Frage der Volkszugehörigkeit nicht nach der objektiven, sondern nach der subjektiven Volkstheorie bestimmen. Einige dieser Schriften seien im Folgenden dem Leser zu eigenem Urteil unterbreitet Im Memellandverlag (Berlin-Nowawes) ist im Jahre 1925 eine Schrift erschienen: „Die völkischen Verhältnisse des Memellandes" von Dr. phil. Johannes Gauß. Die von großer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen sollen „völkische Schutzarbeit" leisten, indem sie das Unrecht der Entente brandmarken, die auf Grund blutsverwandtschaftlicher und sprachlicher Verhältnisse — also auf Grund der objektiven Volkstheorie — uns das Memelland entrissen hat „Es sei aber", so schreibt der Verfasser,, „wissenschaftlich schon lange erwiesen und anerkannt, daß jene beiden Gesichtspunkte zur Bestimmung der Nationalität durchaus nicht zureichend sind, daß vor allem auch die durch Geschichte, Geistes- und Wirtschaftskultur bedingte psychische Einstellung der Bevölkerung zu berücksichtigen ist, ihre Bereitwilligkeit zur Lösung alter und zur Anknüpfung neuer politischer Bande." Wir werden untersuchen müssen, wie weit ein „Wunsch der Memelländer auf Lösung der politischen Verhältnisse zu Deutschland vorhanden war, oder wie weit andre Tendenzen des Völkerlebens, insbesondere 27t

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