Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Subjektive Volkstheorie [Rezension]
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 270 (sequence 1)
- Language
- German
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Die subjektive Volkstheorie Dargestellt an einigen neueren Schriften Von Julius Goldstein Gesetzt, die deutschen Juden wohnten geschlossen irgendwo in einer Nordostecke Deutschlands, so wie etwa die Litauer im Memelland; gesetzt ferner, diese geschlossene Judensiedelung grenzte an einen jüdischen Staat, so wie etwa die memelländischen Litauer an den litauischen Staat — wie hätte sich das deutsche Volk gegenüber den Ansprüchen des präsumtiven jüdischen Staates verhalten, der diese memelländischen Juden und damit das von ihnen bewohnte Land für sich gefordert hätte? Die berufenen Vertreter des deutschen Volkes hätten also gesprochen: Gewiß, die memelländischen Juden gehören der Abstammung nach zu den Juden des angrenzenden Staaates, aber nicht die Abstammung entscheidet über die Zagehörigkeit zu einem Volke. Die Bevölkerung des Memellandes gehört seit Jahrhunderten zum preußischen Volke. Sie ist mit ihm verbunden durch tausenderlei politische und kulturelle Zusammenhänge. Das Selbstbestimmungsrecht fordert, daß die Bevölkerung des Memellandes gefragt werde, wohin sie gehören will. Die psychische Einstellung hat über die Volkszugehörigkeit zu entscheiden. Und diese psychische Einstellung der memelländischen Juden weist nach Deutschland. Volk ist nicht etwas Objektives — die Abstammung —, Volk ist etwas Subjektives: Gefühl, Wille, Bekenntnis, ist Tradition und Liebe. So sprächen, wenn es darum ginge, das Memelland bei Deutschland zu erhalten, die berufenen Vertreter des deutschen Volkes, einschließlich der Vertreter der völkischen Parteien. Und die memelländischen Juden, die nach Sprache, Kultur und Staatsbewußtsein deutsch empfinden, würden, wie sie das bei allen Abstimmungen im preußischen Osten getan haben, freudig ihr Bekenntnis zum Deutschtum abgeben. 270