Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 268 (sequence 18)
- Language
- German
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B. Segel ebenfalls den Gemeinden auferlegt, durfte aber nicht nach dem mongolischen System gehandhabt werden, wie in Rußland * * * Alexander IL welchen Disraeli den mildesten Herrscher nannte, der in Rußland je regierte (oh, das will viel heißen!) verbot mit dem Ukas vom 26. August i856, dem Tage seiner Krönung, achtjährige Kinder der Juden zum Militärdienst zu nehmen, und ordnete an, daß die Juden kein höheres Kontingent zu stellen hätten, als die Christen. Diese Erleichterung nach 00 Schreckensjahren wirkte auf die Juden derart begeisternd, daß sie diesen Zaren als eine Art Befreier und Erlöser ansahen. Alexander erließ noch eine Reihe von liberalen Gesetzen und erweckte die Hoffnung auf völlige Gleichstellung; i858 wurden den jüdischen Soldaten alle jene Grade der Auszeichnung zugänglich, die auch für Mohammedaner erreichbar waren; seit 1860 durften sie in der Garde dienen, ausgediente Soldaten erwarben das Wohnrecht in Petersburg. Seit 1861 durften sie zu Unteroffizieren und Regimentsschreibern ernannt werden. Seit 1867 wurde den ausgedienten Soldaten das Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons verliehen. Die Erfolge der deutschen Waffen 1870/71 verhalfen dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht zum Siege. In Rußland wurde sie durch den Ukas Alexanders II. vom 1. Januar 1874 proklamiert Die Juden fürchteten, das neue Gesetz würde für sie Ausnahmebestimmungen bringen und waren beglückt, als dies nicht der Fall war. Die Weiterblickenden sahen hierin einen Vorboten der bürgerlichen Gleichberechtigung. Und da sie das Grauen kannten, mit dem der Militärdienst die jüdische Masse seit Nikolaus erfüllte, so bemühten sie sich durch Reden, Aufrufe und Broschüren dem Volke die Angst vor dem Unbekannten auszutreiben. Der Baron Josef Josel Günzburg der sich bei der Regierung eines großen Ansehens erfreute und wegen seiner bedeutenden jüdischen Kenntnisse und seines oftmaligen mutigen und opfervollen Eintretens für seine Glaubensgenossen von den Juden sehr verehrt wurde, erließ einen offenen Brief an die jüdischen Gemeinden. Dieser ist in hebräischer Sprache im „Hammaggid" und im „Haschachar" 1875 erschienen; in letztgenannter Zeitschrift hat der Herausgeber, P. Smolenski, ihm ein Nachwort folgen lassen. Dieses Schriftstuck verdient wegen seiner Weisheit, Güte, vornehmen Gesinnung und selbstlosen Hingabe, wegen der Schlichtheit und Kraft des Ausdrucks, verewigt zu werden. Man kann es heutzutage nicht ohne schmerzliche 268