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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 267

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
Date
1927-08-01
Page
267 (sequence 17)
Language
German
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Die Juden in Rußland unter Nikolaus I. Während des Krieges in der Krim gab es mehrere Aushebungen in Rußland. In Westrußland mußte die nichtjüdische Bevölkerung 19, in Ostrußland 9 Rekruten vom Tausend der Bevölkerung stellen, die Juden dagegen 3o vom Tausend. Die Juden taten selbstverständlich, wie oben erwähnt, alles, was in ihrer. Kraft lag, um ihren männlichen Nachwuchs diesem Militärdienst zu entziehen. Darunter litt natürlich die — Statistik. Der russische Generalstabsoberst Zelenskij bemerkt in seiner Beschreibung des Gouvernements Minsk mit Schmerz, daß es ihm nicht möglich war, aus den Matrikeln ein klares Bild von der Zahl der innerhalb der genannten Periode geborenen und verstorbenen jüdischen Personen zu gewinnen. Natürlich nutzten den Juden alle solche Kunststücklein nur wenig, da die Schergen und die Häscher sich um die Matrikel nicht kümmerten. Sobald die Knaben sich dem achten Lebensjahre näherten, wurden sie massenhaft über die Grenze geschafft, nach der Moldau und der Walachei (wie dazumal das heutige Rumänien hieß), dann nach der Bukowina und hauptsächlich nach Polen und Galizien. Die Kinder wurden auf Wagen verladen und herübergeschmuggelt, wobei es über unwegsame, öde Wälder und Flüsse ging. Auf der galizischen Seite organisierten die jüdischen Gemeinden einen regelrechten Dienst, zu dem die Mittel aus eigenen Spenden auf „pidjon schebujim" (Lösegeld für Gefangene) aufgebracht wurden, beherzte und handfeste Männer widmeten sich diesem äußerst gefährlichen Dienst und brachten, oft mit eigener Lebensgefahr, die Kinder nach Galizien herüber, wo die Gemeinden oder kinderlose Familien sie in Obhut nahmen. Die an der russischen Grenze begüterten polnischen Edelleute halfen den Juden mit schöner Teilnahme dabei. Besonders taten dies die polnischen Magnaten, die oft auf beiden Seiten der Grenze begütert waren. In zahlreichen Volksliedern und gruseligen Geschichten lebten die Abenteuer dieser Epoche noch bis vor kurzem fort -Vor wenigen Jahren noch konnte man in Galizien häufig alte Juden antreffen, die zu diesen Schmuggelkindern gehörten, deren Zahl auf mehrere Tausend angegeben wurde. Die bedeutende Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in diesem Lande um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts ist zum Teil auf diese Knabenimmigration zurückzuführen. In Polen blieben die Juden von dem Schlimmsten verschont Die Gesetze des Landes, die der Zarismus erst in den sechziger Jahren anzutasten wagte, schützten sie vor der ganzen nikolaitischen Grausamkeit und Roheit Hier wurde die persönliche Dienstpflicht der Juden erst i843 eingeführt und 267

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