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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
Date
1927-08-01
Page
264 (sequence 14)
Language
German
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B. Segel geworfen und dann den unendlich weiten Weg- bis gegen Sibirien geschleppt werden. Bogrow schildert in seinen „Memoiren eines Juden" eine selbsterlebte grauenhafte Szene, wie ein zehnjähriger Knabe just an einem Sederabend den Armen seiner Eltern entrissen wird. Sobald er die Tür aufmacht um den Propheten Eliah zu begrüßen, der nach dem schönen judischen Kinderglauben an diesem Abend in jedes jüdische Haus kommt, dringen die „Chapper" mit Polizisten ein und packen den Knaben, während alle Anwesenden starr vor Entsetzen bleiben und die Mutter in Ohnmacht fällt Das Los des jüdischen Soldaten schildert Bogrow mit folgenden Worten: „Er konnte auf Treu und Glauben dienen, konnte anstellig, ehrlich, willig und pflichttreu sein, es half alles nichts, er blieb im grauen Mantel des Offiziersburschen oder mußte seine fünfundzwanzig Jahre als Trommelschläger oder Trompeter abdienen, wozu noch einige weitere Jahre mit in den Kauf kamen, um dann als invalider Bettler, stumpf und verwildert, ohne Dach und Fach, ohne Existenzmittel zu seiner oder einer anderen jüdischen Gemeinde zurückzukehren." — „Jede Mutter, deren Kind zu den Soldaten genommen wurde, betete zu Gott, daß er ihm einen schnellen Tod schicke." Alexander Herzen schildert in den Erinnerungen aus seinem Leben die jüdischen Kindersoldaten, wie folgt: „Im Jahre i835 traf ich in der Poststation eines abgelegenen Dorfes im Gouvernement Wiatka einen Etappenoffizier. Ich erkundigte mich nach seinem Reiseziel. „Sehen Sie", antwortete der Offizier, „man hat da eine Partie dieser verfluchten Jüdchen von acht oder neun Jahren aufwärts zusammengepeitscht Anfangs befahl man, sie nach Perm zu treiben, aber die Route wurde geändert, wir treiben sie nach Kasan. Hundert Werst zurück wurden sie mir übergeben, meine Vorgänger sagten: „Nur Scherereien hat man mit diesem Pack, weiter nichts. Der dritte Teil, wissen Sie, ist unterwegs geblieben (der Offizier zeigte mit dem Finger auf den Erdboden). Nicht die Hälfte wird den Bestimmungsort erreichen." Herzen fragte ihn tief erschüttert, was das für eine plötzliche Krankheit wäre, die die Knaben so massenhaft hinwegraffte. Der Offizier antwortete: „Das ist gar keine Krankheit, aber sie sterben wie die Fliegen dahin. Das Jüdlein, wissen Sie, ist schwächlich, unfähig, zehn Stunden hintereinander durch den Kot zu waten und dabei nichts anderes zu sich zu nehmen als hartes Soldatenbrot Und lauter fremde Menschen ringsum, weder Vater noch Mutter, keine Zärtlichkeiten. Na, das hustet dann ein wenig, dann beißt es ins Gras. — Ach ja, nur Scherereien hat man mit diesem Dienst", seufzte der Offizier. 264

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