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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 261

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
Date
1927-08-01
Page
261 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Die Juden in Rußland unter Nikolaus I. dem byzantinischen Christentum zuzuführen. Die jungen Knaben vom 12. oder 8. Jahre ab wurden in große Bauernwagen geworfen, die widerspenstigen mit Stricken angebunden und weit weg in die entferntesten Gouvernements, wo es keine Juden gab, transportiert Weite Strecken mußten sie zu Fuß zurücklegen. Unterwegs wurden sie auf dem Marsch streng von den christlichen Soldaten ferngehalten, um nicht an ihren Vergünstigungen teilzunehmen, aber während der Rast wurden sie zusammengebracht, um von ihnen in christlichem Sinne beeinflußt zu werden- Sie durften in den Städten, die sie passierten, nie bei Juden einquartiert werden. Unterwegs gingen ihrer viele zugrunde, manchen gelang es zu entkommen, dann wurde die ganze Schar hart gezüchtigt, weil sie den Glücklichen entwischen ließ. Am Bestimmungsort angelangt, wurden die kleinen Rekruten in sogenannte Kantonisten-Erziehungsinstitute gesteckt, wo sie unter Aufsicht von Unteroffizieren abgerichtet und erzogen wurden. Manche wurden auf die Dörfer unter die Bauern verteilt, die ihnen gegen kärgliche Belohnung Kost und Quartier gewährten und sie zur Aushilfe bei der Feldarbeit benutzten. Diese Rekruten mußten sich jeden Tag vor ihrem Bataillonschef versammeln, der sie abrichtete. Mit ihren Eltern zu korrespondieren, war diesen Kindern unter den damaligen russischen Verkehrsverhältnissen unmöglich, es war ihnen verboten, untereinander yiddisch zu reden, ein jüdisches Gebet zu sprechen; das Zuwiderhandeln, ebenso wie die Weigerung, Schweinefleisch zu essen, jeden Morgen und Abend vor dem Kruzifix oder dem Bilde der Muttergottes ein Gebetlein zu sprechen, wurde mit 10 bis 3o Knutenhieben auf den nackten Leib, durch Anbinden, Einzelhaft, Entziehung der Mahlzeiten bestraft Auch wurden den Renitenten schwere Exerzierübungen, demütigende Arbeit u. dgl. zudiktiert Die militärischen Lehrmeister zerrissen die von den Knaben mitgebrachten Gebetbücher, Thephillin, Zizith traten sie mit Füßen und bespuckten sie, schimpften über die jüdische Religion und die Juden, versuchten durch Drohungen und gütliche Überredung die kleinen Kantonisten zur Taufe zu bewegen. Sobald einer, was aber zu den größten Seltenheiten gehörte, seine Bereitschaft dazu erklärte, wurde seine Lage in jeder Hinsicht von Grund aus verbessert Die Offiziere, die jüdische Kontonisten der Barche zugeführt hatten, wurden schneller befördert und ausgezeichnet So verbrachten diese Rekruten die Zeit bis zu ihrem 18. Lebensjahre, die ihnen nicht als Dienstjahre angerechnet wurde. Nachher nahm man ihnen den Fahneneid ab, wobei sie schwören mußten, so treu dem Kaiser Nikolaus zu dienen, wie wenn sie unter 26t

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