Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (August 1927)
- Article
- Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
- Date
- 1927-08-01
- Page
- 260 (sequence 10)
- Language
- German
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B. Segel zahl von Rekruten zu stellen, wobei sie sich ihrer schlechtesten Elemente zu entledigen suchten. Es stand jedem Rekruten frei, einen Ersatzmann zu mieten, da aber die sich dazu hergebenden Elemente in moralischer Hinsicht meist ganz verdorben waren, und die Armee noch mehr erniedrigten, so nahm die Regierung das Anwerben von Ersatzmännern selbst in die Hand und gab eine bestimmte Anzahl Rekrutierungs- oder Anrechnungsscheine aus, deren Erwerber für sich und ihre Nachkommen auf immer vom Militärdienst frei waren. (Diese Scheine waren übertragbar und ihre Gültigkeit wurde auch nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht nicht aufgehoben. Während des japanischen Krieges wurde für einen solchen Schein acht- bis fünfzehntausend Rubel bezahlt) Die auf diese Weise eingegangenen Summen werden zur Bezahlung der von der Regierung angeworbenen Ersatzmänner verwendet Die Juden waren bis zum Jahre 1827 vom persönlichen Militärdienst befreit, den Gemeinden wurde eine bestimmte Anzahl von Rekruten abgefordert, aber nur in Gestalt von Rekrutengeldern, 5oo Rubel für den Kopf. Wie wir gesehen haben, war der Militärdienst in Rußland nicht gerade beliebt und geachtet Man mißgönnte also auf nichtjüdischer Seite den Juden ihr Privilegium und führte häufig Klage darüber. Nikolaus I. beschloß daher, die Juden zum Militärdienst heranzuziehen und zwar gleich sehr gründlich. Sein Ukas vom 26. August 1827 befahl, daß die jüdischen Gemeinden fortab nicht mehr Rekrutengeld zahlen, sondern Soldaten stellen sollten, und zwar galt für die Juden die Pflicht, 10 pro mille der Bevölkerung zwischen dem zwölften und fünfundzwanzigsten Lebensjahr zum Heeresdienst abzuliefern (gewöhnlich aber wurden Juden vom 8. bis 35. Lebensjahr genommen), während die nichtjüdische Bevölkerung nur sieben pro mille der männlichen Bevölkerung zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr zu stellen hatte. Unter den Juden wurde jedes Jahr Musterung gehalten, unter den Christen jedes zweite Jahr. Die Anforderungen an körperliche Tüchtigkeit wurde für die jüdischen Rekruten stark herabgemindert, so daß nur ganz Kranke oder mit ekelerregenden Gebrechen Behaftete zurückgestellt wurden. Was nicht zum Frontdienst geeignet war, wurde zu niederen, stumpfsinnigen Dienstleistungen verwendet Für rückständige Steuern wurde ein Mitglied der Familie zum Militärdienst genommen und zwar galten 2000 Rubel auf den Kopf. Gleich von der Einreihung ab begann die Arbeit, den Rekruten ihren „jüdischen Fanatismus" auszutreiben und sie zur Taufe zu bewegen. Der Militärdienst sollte nämlich, dem Ideal des Zaren entsprechend, dazu benutzt werden, die Juden 260