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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 259

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Die Juden in Rußland unter Nikolaus I.
Date
1927-08-01
Page
259 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden in Bußland unter Nikolaus I. berg über die Aufhebung der letzten Rechtsbeschränkungen der Juden beraten wurde, wodurch erst die völlige Emanzipation verwirklicht werden sollte, stand an der Spitze der von einigen Geistlichen und Bauern gebildeten Opposition der Abgeordnete Casar Haller von Hallenberg, der, obgleich seine Familie erst vor kurzem ins Land gekommen war, den dort seit Jahrhunderten ansässigen Juden das Leben nicht gönnte. Er machte ihnen unter anderen den Vorwurf, daß sie sieb dem Militärdienst (es gab damals übrigens noch keine allgemeine W'ehrpf licht) zu entziehen suchten. Ihm antwortete Franz Smolka, der berühmte polnische Freiheitskämpfer, nachmaliger langjähriger Präsident des österreichischen Reichsrates: „Wie kann man von den Juden verlangen, daß sie ihr Blut für ein System vergießen, welches ihnen alle Rechte verweigert? Wir Christen verteidigen unsere Privilegien, es ist aber schwer zu verlangen, daß die Juden ihr Blut für unsere Privilegien und ihre Beschränkungen vergießen sollen!" * * * Das Schicksal des russischen Soldaten unter Nikolaus L war furchtbar. Schlecht genährt, elend gekleidet, durch Exerzierübungen halbtot gequält, erhielt er obendrein für das geringste Verschulden, für das leiseste Zeichen von Insubordination — Stockstreiche. Tausende von Soldaten wurden durch Stockstreiche buchstäblich zu Tode geprügelt In der Erinnerung des russischen Volkes lebte denn auch Väterchen Nikolaj unter dem Namen „PaUrin"1) fort (B. LimanowskL) Im alten Rußland rekrutierte sich das Heer aus dem Adel, der in seiner Gesamtheit dienstpflichtig war, und aus den Mannschaften, die die abgabepflichtigen Stände nach Gemeinden laut Bedarf zu stellen gehalten waren. Die Dienstpflicht des Adels wurde mit der Zeit mehrfach erleichtert, und endlich ganz abgeschafft Das Gleiche wurde anderen für das Staatsleben unentbehrlichen Ständen gewährt, z. B. Kaufleuten, Ehrenbürgern, aus dem Ausland herbeigerufenen Kolonisten, Akademikern usw. Die Soldaten sanken immer mehr in der allgemeinen Achtung, rekrutierten sich aus dem Abschaum der Gesellschaft Es kam vor, daß man die Rekruten in Ketten zum Fahneneid schleppen mußte. Die Dienstzeit war bis i855 auf 2 5 Jahre festgesetzt Die Großgrundbesitzer waren verpflichtet, aus ihren Leibeigenen und die Gemeinden aus ihren Angehörigen eine der Bevölkerungsquote entsprechende Anx) Von palka Knüppel, Prügelstock. 17* 259

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