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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 247

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Calvinismus und Judentum
Date
1927-08-01
Page
247 (sequence 5)
Language
German
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Calvinismus und Judentum Die Prädestinationslehre ist angefeindet worden zunächst wegen ihrer Starrheit und furchtbaren Logik. König Friedrich Wilhelm I. glaubte daher richtig zu handeln, indem er die Erwähnung der Lehre auf den Kanzeln einfach verbot, obwohl die Hohenzollern seit Johann Sigismund selbst reformiert waren. Die Lehre ist aber auch weiter angefochten worden deshalb, weil sie von Calvin zwar aufgestellt, aber zweifellos nicht in alle Konsequenzen hinein verfolgt wird. Sie steht überhaupt nicht derart im Mittelpunkt seiner Lehre, wie vielfach angenommen wird. Sie wird nur an einigen Stellen der Institutio mit klaren Worten ausgesprochen. Calvin hat nur deshalb seine eigene Logik nicht zu Ende führen können, weil ihm da wiederum das Neue Testament entgegen stand. Nach christlicher Lehre ist der Opfertod Christi ohne allen Zweifel die unmittelbare Causa der Gnade Gottes und diese muß auch nach Calvin erworben werden durch den Glauben, nicht etwa durch die Vermittlung einer Kirche. Von dieser Lehre konnte Calvin unmöglich abgehen und er hat auch niemals im entferntesten daran gedacht. Damit entsteht aber in seinem Lehrgebäude ein unleugbarer Widerspruch. Entweder beruht das Heil des Menschen auf einem urewigen Ratschluß Gottes, oder auf dem Opfertode Christi. Wenn Gott einen Menschen zum ewigen Heile vorherbestimmt hat, kann er begreiflich seinen Ratschluß auch auf andere Weise als durch den Opfertod Christi ausführen. Anders ausgedrückt: wenn die Sünde des Menschen von Ewigkeit her vergeben ist, braucht Christus nicht noch mit seinem Blute dafür zu bezahlen. Calvins Lehre hätte in strengster Logik vielleicht dazu geführt, den Opfertod Christi nicht als unmittelbare Causa, sondern als Symbol der Gnade Gottes anzusehen, aber zu solcher Folgerunjg konnte Calvin nach seinen ganzen Anschauungen nicht gelangen. Merkwürdig ist es nur, daß er in der Abendmahlslehre dennoch zu einer ähnlichen Folgerung gekommen ist, denn Brot und Wein „bedeuten" nach reformierter Lehre Fleisch und Blut Christi, während sie es nach lutherischer Lehre „sind" und nach katholischer Lehre darin verwandelt werden. Diese Abendmahlslehre beruht aber wiederum auf anderen Gedankengängen, die hier in ihrer Wiedergabe zu weit führen würden. Zweifellos steht nun der Gottesbegriff der Prädestinationslehre dem Gottesbegriff des Alten Testamentes näher als es der Gottesbegriff Luthers tut Hiermit hängt es dann zusammen, daß Calvin überhaupt auf das Alte Testament stärker zurückgreift und ihm ein gut Teil seines theologischen Rüstzeuges entnimmt Und dieser Grundgedanke führt wiederum dahin, daß 247

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