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Der Morgen · 1927-08-01 · Heft 3 (August 1927) · p. 245

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (August 1927)
Article
Calvinismus und Judentum
Date
1927-08-01
Page
245 (sequence 3)
Language
German
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Calvinismus und Judentum einer Art freischöpferischer Neubildung für den Katechismus. Luther hat nun das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, ausgelassen und dafür das letzte Gebot in zwei zerlegt Calvin hat die Gebote aus dem Pen täte uch wörtlich übernommen ohne jede Auslassung, und so ist die Zahlung der Reformierten heute noch eine andere. Bei ihnen sind das neunte und zehnte lutherischer Zählung zusammengefaßt Diese AeußerlichkeLt wirkt sich aber auch im Ausbau der Kirche weiter fort Schon Luther hatte mit den eigentlichen Heiligenbildern endgültig aufgeräumt, es stand aber auch nach seiner Anschauung nichts entgegen, in der Kirche Bilder von Christus anzubringen, wie man sie heute noch in lutherischen Kirchen allenthalben findet Nach Calvins Lehre ist dies ein Verstoß gegen das zweite Gebot und in keiner reformierten Kirche wird man ein Bild von Christus oder überhaupt ein Bild finden. Ja, diese Lehre führt sogar dahin, daß der Calvinismus kein Kruzifix verwendet, weil er hierin ein Bildnis erblickt Um so mehr verwendet der Calvinismus das glatte Kreuz als Symbol des Leidens und Sterbens Christi. Weiter hat auch das Gebot der Feiertagsheiligung im Calvinismus zweifellos größere Bedeutung gewonnen und hier ist heute noch führend das Puritanertum und Presbyterianertum in England-Schottland und Amerika. Es ist dies wiederum eine unmittelbare Befolgung des vierten Gebotes, nur handelt es sich selbstverständlich nicht mehr um den jüdischen Sabbath, sondern um den christlichen Sonntag. Noch in der Familie von Walter Scott, der selbst Calvinist war, ging die Heiligung des Feiertages so weit, daß an diesem Tage kein Herdfeuer angezündet wurde und die Speisen am Tage vorher fertiggestellt wurden. Es ließen sich noch viele Einzelheiten in dieser Richtung anführen, aus denen hervorgeht, daß der Calvinismus aus dem Alten Testamente zahlreiche Gebote und Anschauungen übernommen hat, die durch das Neue Testament nicht überholt erschienen. Daß solchen Geboten eine große Bedeutung beigemessen wurde, zeigt sich auch in einer Sitte des französisch-reformierten Gottesdienstes. Unter der Kanzel befindet sich in diesen Kirchen ein Lektorpult, und zu Beginn des Gottesdienstes verliest der Küster oder eine sonst geeignete Person die Zehn Gebote. Man wird in den meisten französisch-reformierten Kirchen auf deutschem Boden das Lektorpult noch finden, doch ist die Sitte mehr und mehr außer Übung gekommen. 245

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