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Der Morgen · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. 212

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Article
Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen
Date
1927-06-01
Page
212 (sequence 12)
Language
German
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Ernst Landsberg nocb verweigert haben, einen starken Aufstieg nahmen. In dem der früheren Api (A-G. für Petroleum-Industrie unter Leitung von Generaldirektor Landsberg) und der Theodor Goldschmidt-A.-G. nahestehenden ehemaligen Konsortium für Kohlechemie ist unter anderen chemischen Verfahren die Bergiussehe Kohleverflüssigung entwickelt worden. Die Api wurde später von der Riebeck-Gesellschaft übernommen, die ebenfalls eine größere Teerölproduktion entwickelt hat und jetzt völlig in Interessengemeinschaft mit der I. G. Farbenindustrie steht Die Kohleverflüssigung selbst wurde zunächst nur von den einschlägigen Studiengesellschaften, zumeist unter jüdischer Führung, weiter betrieben. Die Erdöl- und Kohleverwertungsgesellschaft (Evag), die sich u. a. mit der I. D. Riedel-A-G. bei dem Aufbau der Telralin-Werke Rodleben betätigte, hat auch Kohlenbeteiligungen, darunter bei der Deutschen Braunkohlen-Akt.-Ges. und der Döllinger Bergbau-Akt-Ges., der Schlesischen Kohlen- und Ton-Akt-Ges. und mit Werschen-Weissenfels (Petschek-Pr.ag) an der Braunkohlen-Produkte-Akt-Ges. erworben. Ferner bestehen Beziehungen zu der F. W. Grosse & Söhne Akt-Ges., Kohlengroßhandlung in Berlin. Die Evag-Aktienmajorität ist inzwischen ebenfalls an die I. G. Farbenindustrie übergegangen. Auf diese Weise wurde die von jüdischen Finanziers lanzierte Kohlechemie auf den größeren, nicht jüdischen Konzern übertragen, wo sich die individuelle Veranlagung der Beteiligten nur noch in Spezialarbeiten auswirken kann. Übrigens kann man diese Entwicklung nicht nur auf dem Gebiete der Kohlechemie beobachten. Auch andere chemische Fabriken, die sich im Besitze jüdischer Familien befunden haben, gingen oder gehen durch Zusammenschlüsse an die Herrschaft christlicher Personenkreise über. So sind in die L G. Farbenindustrie größere Firmen, die unter jüdischer Führung standen, aufgenommen worden, wie die Cassella & Co. G.m.b.H. in Frankfurt (Familie Weinberg) und die Agfa Akt-Ges. für Anilinfabrikation (Vorstandsmitglied Geheimrat Oppenheim). Nach Äußerungen von Geheimrat Caro (Bayerische Stickstoffwerke) ist es ja soweit gekommen, daß der (fast ausschließlich christliche) Vorstand der LG. wie eine Priesterschaft herrscht, ohne daß ein merklicher Einfluß des Aufsichtsrates oder gar der Aktionäre fühlbar wäre, und daß dieser Vorstand sich durch Kooptation ergänzt Bei anderen Gesellschaften pflegt vor allem der Aufsichtsrat Einfluß bei der Besetzung des Vorstandes zu haben. Männer wie Prof. Haber (Jude), denen die I. G. einen großen Teil ihres Aufschwungs (Stickstoffsynthese) verdankt, sind aber weit gekommen, wenn sie es zu Aufsichtsratsstellen gebracht 212

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