Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 210 (sequence 10)
- Language
- German
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Ernst Landsberg liehe Erdölgewinnung wurde ja während des Krieges die ölherstellung aus Kohle. Die Beteiligung jüdischer Kreise an derartigen Unternehmungen war recht lebhaft und wirkte sich auch auf die Konzernentwicklung des Kohlenbergbaus aus. Hier kann man, ähnlich wie bei der Kohle sagen, daß die vor dem Kriege übliche „horizontale" Konzentrationsform von der „vertikalen" verdrängt worden ist, wie sie durch die Bedürfnisse des Krieges (Sicherung von Vorprodukten und Verbindung mit der Weiterverarbeitung) notwendig wurde. Die fortgeschrittenen chemischen Erkenntnisse zeigten ja auch, daß gerade auf dem Gebiete der Brennstoffe eine Zusammenfassung der vielseitigsten Betriebe von großem Nutzen war. Da die Deutsche Petroleum-Akt-Ges. („DPAG" — Deutsche Bank, vertreten durch Direktor E. G. v. Stauß) und die Deutsche Erdöl-Akt-Ges. („Deag" — Disconto-Gesellschaft, vertreten durch Dr. Solmsen) infolge des Krieges erhebliche Vermögens- und Geschäftsgebiete eingebüßt hatten, lag es nahe, daß sie sich um die verbliebenen Reste stritten. Doch war es im Interesse der Landesverteidigung notwendig, öl um jeden Preis zu beschaffen. So wurde eine Umstellung, insbesondere des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus auf die Erdölgewinnung, und zwar unter starker Beteiligung der Deag vollzogen, die soweit ging, daß die Rentabilität des Kohlenbergbaus vielfach vernachlässigt wurde. Als nach dem Kriege der freie Verkehr wieder wieder möglich wurde, zeigte sich auch, daß die ölgewinnung noch nicht konkurrenzreif war. Während man sich durch die Inflation, so gut es ging, hindurchhalf, sah man nach der Stabilisierung, daß mehrere Betriebe zu einem rentablen Arbeiten vorläufig nicht in der Lage waren. Um die Ölgewinnungsverfahren weiter auszubauen, sind indessen noch recht große Kapitalien erforderlich. Deshalb scheinen die den Großbanken nahestehenden Erdölkonzerne zu derartigen Arbeiten besonders prädestiniert Die Deag, die ihr Mineralöl in dem durch den Krieg verlorenen Pechelbronn und bei Hannover (Wietze) gewann, hatte im Einvernehmen mit der Marineverwaltung während des Krieges die Herstellung von Kohlenöl aufgenommen. Zu diesem Zwecke erwarb sie die Rositzer Braunkohlenwerke, die Gewerkschaft Regis und aus den Händen des Petschek-Konzerns 1918 die Ramsdorfer Braunkohlenbergwerke. Im Jahre 1920 folgte die Majorität der Vereinigten Kohlen- Akt-Ges. Borna. Außerdem beteiligte sich die Deag an Braunkohlenwerken im Altenburger Revier, der Mariengrube, der Gewerkshaft Breunsdorf und am Duxer Kohlenverein. Auf dem Gebiete des ölschachtbaues war sie bereits an 210