Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 203 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Beteiligung der Juden an deutschen Monlanunternehmungen. 13. Jahrhundert kennt man die Unternehmungsform der Gewerkschaft mit Zubußeverpflichtung und Schuldenhaftung der Gewerken. Um diese Zeit beginnt also das Privatkapital in den Bergbau einzudringen. Wie weit sich damals schon jüdische Kreise an den Gewerkschaften beteiligten, läßt sich nicht genau feststellen, doch ist anzunehmen, daß ihr Einfluß im Vergleich zu demjenigen der Patrizier-Familien aus den Handelsstädten recht gering war. Hingegen ist ihre Betätigung im Handel schon frühzeitig nachweisbar. So beschäftigten sich die Halberstädter Juden mit dem Verkauf des im Harz gewonnenen Silbers. Erst seit i5oo, d. h. nach der Entdeckung Amerikas und der Einbeziehung des Indischen Ozeans in den Weltverkehr, treten die heute teilweise noch maßgebenden Ursprungsländer für die einzelnen Bergbauprodukte in Erscheinung, so z. B. Chile und West-U. S. A. für Kupfer, die Sundainseln für Zinn, der Kaukasus für Mangan und Indien für Nickel. Auf diese Weise wurde die Beherrschung des Metallmarktes immer mehr den bodenständigen Gewalten entzogen und weit mehr als früher den internationalen Finanz- und Handelsgesellschaften unterworfen. Indessen gewannen andere Bergbauprodukte innerhalb Europas vermehrte Bedeutung, in erster Linie die Kohle. Unter Friedrich dem Großen wurde der preußische Bergbau planmäßig organisiert, in Direktionen eingeteilt, und die Bergleute in Knappschaften zusammengeschlossen. Neben die Gewerkschaft trat als Unternehmungsform insbesondere bei der Kohle die Aktiengesellschaft, die sogar im 19. Jahrhundert vorwiegend wurde und dem Finanzkapital, darunter auch jüdischem, leicht zugänglich war. Im westrheinischen Deutschland vollzog sich diese Entwicklung unter den französischen Rechtsgrundsätzen am leichtesten und ermöglichte eine starke Betriebskonzentration in Aktienform (Eschweiler Bergwerksverein). In Oberschlesien, einem typischen Gebiete des Rittergutsbesitzes, erwuchsen, meist in nur wenigen Händen vereinigt, die sogenannten Magnatenbetriebe (Giesche, Henckel v. Donnersmarck, Hohenlohe- Oehringen, Oppersdorff, Pleß, Schaffgotsch u. a.). Im rechtsrheinischen Rheinland und in Westfalen ,wo sich die kleineren Kaufleute nicht ohne weiteres derartig große Betriebe schaffen konnten, verhinderte das preußische Direktionsprinzip auch später noch lange Zeit eine Betriebs-Rationalisierung, wie sie unter dem französischen Recht bei einer leichteren Auswirkung der kapitalistischen Konkurrenzgesetze möglich war. Deshalb bestand bis in die jüngste Zeit hinein, selbst als die Bergdirektion längst nur noch eine Berginspektion war, eine starke Zersplitterung der Betriebe und des Eigentums, 203