Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Die Beteiligung der Juden an deutschen Montanunternehmungen
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 202 (sequence 2)
- Language
- German
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Ernst Landsberg jüdischen Finanziers und Industriellen in der deutschen Montanindustrie gewidmet sind, mag man ersehen, daß von einer „Verjudung" auch nur eines dieser Industriezweige nicht die E.ede sein kann, daß aber andererseits auch die Berechtigung fehlt, hinsichtlich der „Herkunft" irgendwelche Schwäche zu zeigen. Wie gesagt, die Massen der in den Bergbaubetrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten, sowie auch die Vertreter und Händler, mit Ausnahme des Metallhandels und des ostdeutschen Kohlengroßhandels sind fast ausschließlich nichtjüdisch. Nur im ölhandel findet man noch einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz jüdischer Firmen, schätzungsweise 5—10 Prozent je nach der geographischen Lage. Die Positionen, von denen aus unter anderen Personen auch einige Juden in der Montanindustrie mitzureden haben, liegen aber in anderer Richtung. So gibt es im westdeutschen Steinkohlen- und im Kalibergbau, wo das Element christlicher Eigentümer dominiert, einige jüdische Beteiligungen von Bank seite aus. Mehrere andere Kalibergwerke und die Ölbohrungen in Deutschland werden speziell vom Großkapital finanziert, über dessen personelle Zusammensetzung an anderer Stelle zu sprechen ist Im Braunkohlenbergbau macht sich neben der neuerdings recht aktiven öffentlichen Hand eine starke Initiative jüdischer Händler, Industrieller und Chemiker fühlbar. Kalk- und Zementindustrie stehen im Osten Deutschlands zum Teil jüdischen Bankfirmen nahe. Der Metallbergbau, soweit in Deutschland überhaupt vorhanden, wird von Händler- und Bankgruppen beherrscht, unter denen jüdische Kreise eine führende Rolle spielen. Im ganzen ist die geschilderte Besitzstruktur ziemlich jungen Datums. Wie ist es dazu gekommen? Die Betriebsformen des eigentlichen Bergbaus sind seit alters her an die Verwendung zahlreicher Menschenkräfte gebunden. Diese war im Altertum nur der von den politisch Mächtigen erzwungenen Organisation (Sklaven) möglich. Auch die Produkte des Bergbaus hatten in erster Linie für die politischen Gewalten Bedeutung, — Gold und Silber als Schmuck- und Baumetalle (Tempel), Kupfer, Zinn und später das Eisen zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen. In Deutschland waren, neben den Goldseifen an den Flüssen, der Silber- und Salzbergbau im Mittelalter bereits stark entwickelt Soweit die Fürsten den Abbau nicht selbst betrieben, entwickelte sich, wenigstens im Kunstbergbau, das Bergregal (Königs- oder Beliehenenrecht) als ein öffentlich-rechtlicher Anspruch. Das Mutungsrecht ging vor allem über die privaten Rechte der Grundeigentümer. Seit dem 202