Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Article
- Der Einfluß der Juden auf die "kalte" Sozialisierung
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 193 (sequence 6)
- Language
- German
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Der Einfluß der Juden auf die „kalte" Sozialisierung leicht in der Inflation gegründetes Unternehmen weiter zu führen, die Unterstützung des sonst befeindeten Staates erstrebten? Man sprach vielfach von einem „trockenen Bolschewismus", durch den alle Werke auf diese Weise sozialisiert werden könnten. Jetzt schien der Sozialisierung der Schrecken, den sie 1918 und 1919 eingeflößt hatte, genommen zu sein. Aber diese Zeit war es auch, in der Reich und Staaten als Unternehmer tatsächlich in die Erscheinung zu treten begannen. Daß der Staat selbst die Rolle des Unternehmers spielt, ist in der Wirtschaft kein neuer Vorgang. Das fürstliche Münzregal des Mittelalters gab schon damals dem Staatsoberhaupt die Regie über das Geldwesen. Die Zeit des Merkantilismus war es dann, die eine Regulierung der gesamten Wirtschaft durch den Staat verlangte. Da der Merkantilismus ein Nationalismus war, mit dem leitenden Prinzip der politischen und volkswirtschaftlichen Zentralisation1), mußte der merkantilistische Staat im Innern alle Freiheitsregungen unterdrücken, und jeden einzelnen Staatsbürger am Gängelbande führen. Diese Zwangswirtschaft, die der Merkantilismus proklamierte, weist eine starke Verwandtschaft mit der Zwangswirtschaft des Sozialismus auf.2) Der Staat verkörpert durch den Fürsten schuf Manufakturen und Betriebe, die vorbildlich für die ganze Wirtschaft sein sollten. Viele dieser Unternehmungen sind in den Händen des Staates geblieben. Aber erst die moderne Zwangswirtschaft des Krieges legte den Grund für die neuen Unternehmungen des Reiches. So kann man Walther Rathenau als den Vater dieser Reichsbetriebc ansehen. Aber es handelte sich hierbei um Unternehmungen, in denen das Reich als Bahnbrecher vorgehen mußte. Die Bayerischen Stickstoffwerke A.G. waren es, die den Anstoß zum Bau der Reichswerke gaben.3) Der Bedarf des Reiches an Stickstoff war während des Krieges außerordentlich groß. Nach langen vergeblichen Verhandlungen zwischen dieser Firma und den Reichsbehörden kam dann auf Veranlassung des Staatssekretärs Helfferich 1915 der Vertrag zustande, nach dem das Reich sich bereit erklärte, die Werke auf eigene Rechnung zu errichten, wogegen jedoch die Bayerischen Stickstoff-Werke ihre Erfahrungen und Patente zur Verfügung stellen, und die Leitung der neuen 1) Vergl. das Werk des Verfassers: „Die alten deutschen Kameralisten". Jena igi£. 2) Vergl. den Aufsatz des Verfassers: „Alte und neue Zwangswirtschaft." Freie Wirtschaft, Jahrg. 1919, S. 224 ff. 3) Vergl. für das folgende: Dr. Felix Guggenheim: „Der deutsche reichseigene Industriekontern. Zürich 1925. 13 193